Letztes Update am So, 13.01.2019 07:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Die Turbulenzen in der katholischen Kirche Kärnten wollen nicht enden



Klagenfurt (APA) - Die Versetzung des Kärntner Diözesanbischofs Alois Schwarz nach St. Pölten hat im vergangenen Jahr eine ganze Reihe von Konflikten aufbrechen lassen. Seit Jahren hatte es in der Diözese rumort, doch wagte sich niemand an die Öffentlichkeit. Die Sedisvakanz löste offenbar die Blockaden, seither geht es rund. Ob die Visitation von Erzbischof Franz Lackner Abhilfe schaffen kann, scheint fraglich.

Generalvikar Engelbert Guggenberger, vom Domkapitel Anfang Juli 2018 zum Diözesanadministrator gewählt, legte sein Amt von Anfang weg eher offensiv an. Er machte eine ganze Reihe von Maßnahmen des Bischofs rückgängig und kümmerte sich um all jene Bereiche, in denen es teilweise bereits bedenklich zu knirschen begonnen hatte. Die Finanzen des Bistums, des bischöflichen Mensalguts, über das der Bischof allein verfügte, wurden überprüft. Dort hatten sich in den Jahren 2016 und 2017 Millionenverluste angesammelt. Teure Personalentscheidungen wurden revidiert, Statutenänderungen, die vom Domkapitel als rechtswidrig bezeichnet wurden, rückgängig gemacht und vieles mehr. Das Erstaunliche daran war, dass alle diese Schritte auch öffentlich gemacht wurden.

Guggenberger hatte von Anfang an die Rückendeckung des Domkapitels. Dieses achtköpfige Gremium wirkt alles andere als rebellisch, doch als Rom eingriff und den Kärntnern die Veröffentlichung ihrer Prüfungsergebnisse untersagte, setzten sich die honorigen Herren einfach darüber hinweg. Das sorgte weit über die Landesgrenzen hinaus für Verwunderung, allerdings hatte Schwarz selbst kräftig dazu beigetragen. Denn während die Kärntner vorerst das Verbot einer Veröffentlichung des Prüfberichts akzeptierten und die geplante Pressekonferenz absagten, zitierte der jetzige St. Pöltner Bischof aus eben jenem Bericht und erklärte, dieser bescheinige ihm, dass eh alles in Ordnung sei.

Der Bericht des Domkapitels spricht eine andere Sprache. Das Bistum schrieb 2017 einen Verlust von 1,9 Millionen Euro, die Kosten für das Bildungshaus St. Georgen, wo Schwarz seine enge Vertraute Andrea Enzinger schalten und walten ließ, gingen durch die Decke. Enzinger wurde im Bischofshaus inoffiziell nur noch als „Frau Bischof“ bezeichnet. Guggenberger erklärte dazu: „Bischof Schwarz war durch dieses Abhängigkeitsverhältnis vom Gutdünken und den Launen dieser Person bestimmt.“ Der hoch dotierte Dienstvertrag Enzingers wurde vom Domkapitel aufgelöst, worauf sie zum Arbeitsgericht ging. Der Richter übermittelte sämtliche Unterlagen umgehend an die Staatsanwaltschaft und äußerte den Verdacht auf Untreue. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft - die Causa wurde nach Graz abgetreten - gegen Enzinger, aber auch gegen Bischof Schwarz. Die Anklagebehörde will sich auch den Prüfbericht kommen lassen, eine Sprecherin von Schwarz bezeichnete die Ermittlungen als „Routinevorgang“.

Dazu kommen vermutete Unregelmäßigkeiten bei einem Immobiliengeschäft. Hier soll der Kaufpreis offiziell absichtlich niedrig gehalten worden sein, parallel dazu ging aber eine Großspende ein - vom Käufer. Auch diese Causa wird möglicherweise ein juristisches Nachspiel haben.

Die Probleme innerhalb der Diözese sind nicht neu. Bereits 2008 musste der damalige Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser aktiv werden, nachdem sich Beschwerden über Schwarz und den Einfluss Enzingers auf ihn gehäuft hatten. Kothgasser sah durchaus Handlungsbedarf. In seinem Bericht schreibt er: „Die Unklarheit und Unsicherheit, wer letztlich die Entscheidungen (vor allem in Personalfragen) in der Leitung der Diözese fällt und welches die Vertrauten, die Berater und Beraterinnen des Bischofs im Hintergrund sind (Graue Eminenzen), schafft Unklarheiten und Unsicherheiten, vor allem bei den Mitverantwortlichen (Konsistorium, Priesterrat, Ordinariat).“ Er mahnte auch eine Stärkung der Mitverantwortung und Mitbeteiligung von Konsistorium und Priesterrat vor allem bei Personalentscheidungen ein und betonte, der Umgang mit dem Vorwurf eines „Frauen- bzw. Küchenkabinetts“ bedürfe „verantwortungsvoller und entschiedener Klärung“. Dazu regte er „vertrauensbildende Maßnahmen“ an. Nach Aussagen zahlreicher Kirchenmitarbeiter und Priester blieben die Empfehlungen Kothgassers aber folgenlos. Man sei „gegen eine Gummiwand“ gelaufen, erklärten Mitarbeiter der Diözese.

Dass nun mit Lackner ein persönlicher Freund von Schwarz zum Visitator ernannt wurde, sorgte in den vergangenen Tagen für Unmut. Die Diözese Gurk-Klagenfurt erhielt erst am Freitag, nach mehreren Urgenzen, das Dekret der Bischofskongregation übermittelt, um zu erfahren, was überhaupt konkreter Zweck der Visitation ist. Die Kärntner lasen aus dem Dekret heraus, dass lediglich die Zeit der Sedisvakanz geprüft werden solle. Lackner erklärte hingegen, in Abstimmung mit der Bischofskongregation in Rom sei der Prüfungszeitraum ab 2008 festgelegt worden. Er solle „die tieferliegenden Gründe, die zur gegenwärtigen Verwirrung führten“, erforschen.

Am (morgigen) Montag beginnen die Gespräche in Klagenfurt. Wie lange die Visitation dauern wird, ob und wann die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informiert wird und was für Konsequenzen folgen werden, ist derzeit völlig unklar.




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