Letztes Update am So, 13.01.2019 12:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Früherer italienischer Linksextremist Battisti in Bolivien gefasst



Rom/Brasilia (APA/dpa/AFP) - Nach der Festnahme des ehemaligen italienischen Linksextremisten Cesare Battisti in Bolivien hat Italien ein Flugzeug in das südamerikanische Land entsandt. Die Maschine sei „seit mehreren Stunden“ in der Luft, teilte das Innenministerium in Rom am Sonntag mit. An Bord sind demnach Vertreter der Polizei und der Geheimdienste.

Innenminister Matteo Salvini bestätigte im Fernsehen, dass „Mittel und Männer“ zur Rückholung Battistis bereits unterwegs seien. Auf Twitter dankte er den italienischen und ausländischen Sicherheitskräften sowie Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro, die Battistis Festnahme ermöglicht hätten.

Battisti werden mehrere Morde Ende der 1970er-Jahre angelastet. Er war Mitgründer der linksextremistischen Gruppe „Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus“ (PAC), die für die Morde verantwortlich gemacht wurde. 1993 wurde Battisti in Italien in Abwesenheit wegen vierfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er bestreitet jede Tatbeteiligung.

Battisti hatte unter dem sozialistischen Präsidenten Francois Mitterrand in den 1990er-Jahren in Frankreich Zuflucht vor der italienischen Justiz gefunden und sich eine Existenz als Schriftsteller aufgebaut. Als der konservative Präsident Nicolas Sarkozy ihn 2004 an Italien ausliefern wollte, floh Battisti nach Brasilien. Dort entzog er sich jahrelang unter dem Schutz linksgerichteter Präsidenten einer Auslieferung nach Italien.

Brasiliens neuer rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro hatte Italien aber bereits vor seiner Wahl Ende Oktober die Auslieferung Battistis in Aussicht gestellt. Mitte Dezember wurde in Brasilien Haftbefehl gegen Battisti erlassen, seither fehlte von ihm jede Spur.

In der Nacht auf Sonntag wurde Battisti in Bolivien gefasst, wie ein Berater Bolsonaros bekanntgab. Medienberichten zufolge wurde der 64-Jährige von einem Spezialteam von Interpol und italienische Agenten in der bolivianischen Stadt Santa Cruz de la Sierra gestellt.

„Auf diese Festnahme wartet Italien seit 25 Jahren“, reagierte der italienische Justizminister Alfonso Bonafede. Innenminister Matteo Salvini dankte den italienischen und ausländischen Sicherheitskräften sowie Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro, die Battistis Festnahme ermöglicht hätten, auf Facebook.

Battistis Festnahme löste aber nicht nur in Italien, sondern auch in der EU Beifall aus. „Battisti soll bis zuletzt seine Haftstrafe absitzen. Ein Linksextremist, der sich über seine Opfer, deren Angehörige und ganz Italien lustig gemacht hat, verdient es, hinter Gittern zu sitzen“, so EU-Kommissionspräsident Antonio Tajani.




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