Letztes Update am So, 13.01.2019 14:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Handball: Österreich gegen Top-Favoriten und die „Handbremse im Kopf“



Herning (APA) - Nach der Blamage gegen Chile bekommen es Österreichs Handballer bei der WM mit ganz anderen Kalibern zu tun. Gegen Norwegen (Montag, 17.30 Uhr) und Dänemark (Dienstag, 20.45/beide live ORF Sport +) ist Österreich im Gegensatz zu den Auftaktspielen nicht mehr Favorit. Teamchef Patrekur Johanneson hofft, dass genau dieser Rollenwechsel auch die „Handbremse“ im Kopf löst.

Gegen die beiden Titelmitfavoriten Norwegen, Vize-Weltmeister 2017, und Gastgeber Dänemark will Österreich wieder zu sich selbst finden. Nach einer „peinlichen“ Vorstellung gegen Außenseiter Chile sei die Nacht „sehr schwierig“ gewesen, erklärte Johannesson am Sonntag. Auch er rätselte, warum sich seine Truppe gegen die Südamerikaner eine derart fehlerhafte Vorstellung leistete. Technische Fehler, Stürmerfouls, in der Abwehr „immer zu spät“, ein Leistungsabfall von Goalie Kristian Pilipovic im Vergleich zum Tag davor, kaum erfolgreiche 1:1-Situationen - die Mängelliste war denkbar lang.

„Nach ein paar Minuten waren wir weg. Da muss sich jeder selbst fragen, warum das so ist. Da muss man auch klar im Kopf sein“, sagte Johannesson. „Ist das Druck, Angst zu verlieren, oder schätzen wir uns einfach höher ein? Warum ist das Tempo nicht da? Ist das Müdigkeit?“ Die Antworten kennen wohl nur die Spieler selbst. Gegen Norwegen („Ich habe getippt, dass sie Weltmeister werden“) soll das ganz anderes ausschauen. „Ich will in erster Linie eine Mannschaft sehen, die befreit spielt, mit Tempo den Ball laufen lässt. Es gibt keinen Druck“, betonte der Isländer.

Ein Erfolg über Norwegen, das Österreich in einem Testspiel im Oktober mit 43:31 abfertigte und in die WM mit klaren Siegen über Tunesien (34:24) und Saudi-Arabien (40:21) startete, wäre freilich ein kleine Sensation. „Das ist eine der stärksten Mannschaften, die es momentan im Handball gibt“, stellte Kapitän Nikola Bilyk klar. Johannesson: „Wenn wir in dieses Spiel mit Handbremse gehen, dann haben wir null Chance.“ Weber versprach Besserung: „Man muss Spaß haben, wir können, so blöd das klingt, jetzt befreit spielen. Wir werden zeigen, dass wir noch leben und an unsere Aufstiegschance glauben.“

Ähnliches gilt für das Duell mit den Dänen, die zwar zweifacher Europameister und Olympiasieger 2016 sind, aber noch nie die WM gewinnen konnten. Ins Turnier starteten Mikkel Hansen und Co. mit beeindruckend klaren Vorstellungen gegen Chile (39:16) und Tunesien (36:22). „Wir werden auch die ganze Halle gegen uns haben“, urteilte Johannesson. „Die Dänen verfügen über eine ganze Reihe an Weltklassespielern, sind stark im eins gegen eins, in der Rückwärtsbewegung und spielen, wie Norwegen, über eine starke erste und zweite Welle.“

Für Weber soll das alles kein Hindernis sein. „Die Halle wird ausverkauft sein. Was gibt es Schöneres? Wir haben nichts mehr zu verlieren. Dafür wollen wir Vollgas geben. Wir werden zeigen, dass wir noch leben und an unsere Aufstiegschance glauben.“ Zumindest könnte man sich mit zwei guten Vorstellungen eine kräftige Moralinjektion für das abschließende Spiel gegen Tunesien am Donnerstag holen. Die „richtigen“ Ergebnisse in den Spielen der Konkurrenz vorausgesetzt, könnte man dort mit einem hohen Sieg vielleicht noch die Kurve in die Hauptrunde kratzen.




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