Letztes Update am So, 13.01.2019 15:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Handball: ÖHB-Sportdirektor Fölser: „Damit haben wir nicht gerechnet“



Herning (APA) - Die blamable WM-Niederlage gegen Chile hat für gewisse Ernüchterung gesorgt. Nach der erfolgreichen WM-Quali schienen Österreichs Handball-Männer nicht zuletzt im Hinblick auf die Heim-EM 2020 auf dem richtigen Weg, nun ist zumindest leichte Skepsis angesagt. „Damit haben wir auch nicht gerechnet“, erklärte ÖHB-Sportdirektor Patrick Fölser am Sonntag. „Wir müssen noch an vielen Dingen arbeiten.“

Die Problemzonen wurden am Sonntag gegen die Südamerikaner deutlich. Vor allem in der Abwehr. „Die 6:0-Deckung passt nicht hundertprozentig“, meinte Fölser, mit 218 Partien Österreichs Rekord-Feldspieler. „Da waren wir schon deutlich weiter.“ Ein Umstand, der auch dem Ausfall von Alexander Hermann geschuldet sei, der kurz vor dem Turnier mit einer Fußverletzung w.o. geben musste. „Momentan verlieren wir zu viele 1:1-Duelle. Die Absprachen müssen besser werden. Das ist aber kein Dauerproblem“, ist Fölser überzeugt.

„Wir brauchen einen Abwehrchef, der von hinten steuert. Wir haben schon die Typen dafür, aber die Rollen müssen erst noch ausgeprägter werden“, befand Fölser. Überhaupt sei eine „gesunde“ Hierarchie innerhalb der Truppe noch im Wachsen begriffen. Es ist nach der glücklosen EM 2018 erst die zweite Endrunde der Auswahl in ihrer aktuellen Form, gestandene Leitwölfe gibt es nicht. Nicht zuletzt von Aushängeschild Nikola Bilyk dürfe man noch nicht zu viel erwarten. „Sicher spielt er bei Kiel, aber er ist dennoch erst 22. Auf ihn kommt viel zu“, erklärte Fölser.

Ausfälle könne man sich kaum leisten, auch wenn die Breite im Kader in den vergangenen Jahren etwas größer wurde. „Verletzungen treffen uns eben härter. Wir können nicht den Telefonhörer in die Hand nehmen, und dann kommt wie bei den Norwegern ein Harald Reinkind von THW Kiel“, sagte Fölser, der am Sonntag ebenfalls eine Nachnominierung vornehmen musste. Der 42-Jährige rief aber nicht in Kiel an, sondern in Graz. Von dort kommt nun Daniel Dicker - und der hat kein einziges Länderspiel am Konto.

Das Ende der Fahnenstange sei jedenfalls nicht erreicht. „Diese Mannschaft hat noch viel Potenzial. Da sehe ich das Ende auch nicht 2020“, sagte Fölser. Schließlich habe man ja schon in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, „dass wir wirklich gut Handball spielen können“, meinte er rückblickend auf das erfolgreiche WM-Quali-Play-off gegen Weißrussland oder einen guten Auftritt im Test gegen Schweden im vergangenen Herbst.

Es ist durchaus noch Zeit. Auf jeden Fall fünf Spiele bei der laufenden WM und noch ca. weitere zehn bis zur EM 2020. Dort kommt noch der Heimfaktor hinzu, der die Mannschaft 2010 bis zu Platz neun trug. Auch damals habe man Rot-Weiß-Rot nicht auf der Rechnung gehabt, erinnerte sich Fölser: „Jeder hat gesagt, das sind die besten 15 Mannschaften Europas plus Österreich. Und dann hatten wir genau diese Euphorie.“




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