Letztes Update am Mo, 14.01.2019 09:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kulinarik- und Agrar-Leistungsschau Grüne Woche in Berlin startet



Berlin (APA/dpa) - Schuhplattler, Kuhställe und Bierhumpen - damit rechnet mancher in Deutschlands Hauptstadt ebenso wenig wie mit einem fertigen Flughafen. Doch einmal im Jahr treffen in Berlin zwei Welten aufeinander: Diejenigen, die Fleisch, Milchprodukte, Gemüse und Brot für Millionen herstellen - und diejenigen, die es essen.

Zur weltgrößten Agrar- und Ernährungsmesse Grüne Woche, die an diesem Freitag beginnt, wollen die Veranstalter 400.000 Besucher anlocken. Die Beteiligung österreichischer Aussteller ist auch heuer - wie schon traditionell - eine ordentliche. 32 Aussteller „besiedeln“ die Halle 15 auf der Grünen Woche. Ob Tiroler oder Kärntner Speck, pannonische oder steirische Weine, Käse aus allen Teilen Österreichs, Torten, Kuchen, Kosmetik, Edelbrände bis hin zum Wachauer Whisky - alles wird den Deutschen zum Verkosten und Kaufen angeboten. Auch Urlaub am Bauernhof rührt die Werbetrommel für einen Besuch in der Alpenrepublik.

Auch die heimische politische Agrarspitze ist traditionell vertreten, wie auch österreichische Journalisten. Von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, Landwirtschaftskammerchef Josef Moosbrugger und Bauernbundpräsident Georg Strasser (alle ÖVP) gibt es am Donnerstag einen Runden Tisch mit Allesandro Apolito, einem Experten für Lebensmittel-Herkunftsbezeichnungen vom italienischen Agrarministerium. Am Freitag präsentiert dann die Agrarmarkt Austria Marketing (A) die Lebensmittel-Exportzahlen fürs abgelaufene Jahr.

Die Besucher in Berlin jedenfalls kommen zum Schnabulieren und Staunen, manche auch zum Streiten: über unsere Essgewohnheiten und die Folgen für Tiere, Menschen und Umwelt. Und über die Frage, wie es gelingen kann, die weiter wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Für alles zusammen will die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) den Blick auf die Chancen der Digitalisierung lenken - auch als Gastgeberin für zahlreiche Amtskollegen aus aller Welt. So trifft Klöckner Köstinger im Rahmen eines Messerundganges.

„Der Run auf die Grüne Woche ist ungebrochen“, wirbt ein Sprecher im Voraus. Die Messefläche ist gewachsen, ebenso die Zahl der Aussteller, die 1.700 übertreffen wird. Aus mehr als 60 Ländern werden sie kommen. Auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich angekündigt.

Dabei wollen sich nicht nur auf dem Messegelände Menschen sammeln: Um draußen zu protestieren, kommen andere, die gegen Massentierhaltung und Agrarindustrie auftreten. Mit der Losung „Wir haben es satt!“ ziehen jedes Jahr zur Grünen Woche Tausende durch Berlin, aufgerufen von rund 100 Organisationen, darunter auch Verbände sowohl ökologisch als auch konventionell wirtschaftender Bauern.

Die Landwirte signalisieren Bereitschaft zum Dialog. „Wir wollen transparent sein, wir wollen zeigen, wie nachhaltig wir Lebensmittel erzeugen“, sagt der deutsche Bauernpräsident Joachim Rukwied. „Der größte Bauernhof ist dann in der Hauptstadt auf dem Erlebnisbauernhof.“

Das ist jener Teil der Hallen, wo Besucher auf Traktoren klettern, Schweinen über die Borsten streicheln und sich per 360-Grad-Video auf echten Betrieben umsehen können. „Da kann man sehen, fühlen, riechen, wie Landwirtschaft funktioniert - vom Produkt auf dem Acker bis zum Endprodukt“, meint Rukwied.

Für viele Bauern ist die Messe der traditionelle Jahresauftakt-Treff, wenn Äcker teils unter Schnee liegen und auf dem Hof nicht so viel zu tun ist. Allein 2.000 Busse aus ganz Deutschland werden erwartet. Es gibt in Berlin eine Landjugendfete mit der Band Krachleder, Züchter präsentieren in den Hallen unter dem Funkturm ihre Pferde bei Hengstparaden. Die Bauern informieren sich aber auch über neue Technik wie Drohnen, die längst über manchem Acker schwirren.

Das diesjährige Messe-Partnerland Finnland ködert Gäste mit Flammlachs, Dinkel-Lakritze, Rentier-Chips und Roggen-Gin. Die Ernährungsindustrie bringt alkoholfreies Proteinbier unters Volk. Und Informationen dazu, welche Rolle Algen in der Küche spielen können. Es gibt 65 Aussteller, die sich nur Veganern zuwenden - vor fünf Jahren waren es ganze drei. Dabei ist die Messe immer auch Testmarkt. Letztes Jahr probierten Grüne-Woche-Besucher Insekten-Burger aus Maden. Heute kann man sie bei einer großen Supermarktkette kaufen.




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