Letztes Update am Mo, 14.01.2019 11:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche Theater wehren sich gegen Angriffe von Rechtspopulisten



Berlin (APA/dpa) - Theater in Deutschland sehen sich immer wieder Angriffen vonseiten der AfD und anderen Rechten ausgesetzt. „Verbal geschieht das auf eine aggressive, giftige Art“, sagte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, der dpa. „Im Grunde wird alles, was nicht AfD ist, als linksversifft bezeichnet. Außerdem gibt es den Weg über Gerichte und Kleine und Große Anfragen in den Parlamenten.“

Khuon ist Intendant am Deutschen Theater Berlin. Dessen Performance „Gala Global“, in der es um die Suche nach Weltbürgern geht, hatten im vergangenen Juni Anhänger der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ gestört. Der Chef des Bühnenvereins plädiert dafür, dass die Theater verstärkt den Blick auf das Ganze werfen und die Gesellschaft spiegeln. „Es geht um Fragen wie: Warum haben Menschen das Gefühl, dass sie zu kurz kommen? Warum gibt es keinen Wohnraum? Warum verdient die Kita-Erzieherin so wenig?“, erläuterte der 67 Jahre alte Theatermacher. Demokratie und Integration seien wichtige Themen.

Gegen das im Herbst 2015 uraufgeführte Stück „Fear“ von Falk Richter an der Berliner Schaubühne klagte unter anderem erfolglos die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, da Fotos von ihr verwendet wurden. Im westfälischen Paderborn zeigte der AfD-Kreisverband das Theater wegen Verleumdung und Volksverhetzung an. Die Lokalpolitiker nahmen an einer Grafik im Spielzeit-Heft Anstoß. Darin waren unter anderem Wahlergebnisse der NSDAP und der AfD gegenübergestellt. Die Staatsanwaltschaft nahm keine Ermittlungen auf, da es hierfür keine rechtlichen Voraussetzungen gab. Das politische Theater maße sich an, die moralisch zulässigen Antworten auf komplexe gesellschaftliche Debatten zu kennen, sagte der kulturpolitische Sprecher der AfD im Bundestag, Marc Jongen, der dpa. Wer diese Antworten nicht teile, dem werde auf der Bühne der „Schauprozess“ gemacht. Deshalb stelle die AfD Anträge auf Kürzungen von Förderungen.

Die künstlerische Leiterin der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel, Amelie Deuflhard, wurde von der AfD unter anderem wegen Schlepperei und eines Verstoßes gegen das Ausländergesetz angezeigt, weil Ende 2014 auf dem Gelände ein künstlerischer Aktionsraum für Flüchtlinge entstand. Ein Verfahren sei nie eingeleitet worden, sagt Deuflhard. Die AfD wende sich gegen die Kunst, weil dies Aufmerksamkeit erzeugt, glaubt die Theatermacherin. Auch die Schließung von Kampnagel, wo viele geflüchtete Künstler aktiv sind, werde immer wieder gefordert. Sie sagt: „Meine Strategie ist, dass wir ein positives Bild von unserer diversen Gesellschaft entwickeln. Wir machen ein internationales Programm und versuchen zu verstehen, wie unterschiedliche Kulturen ticken.“

Deuflhard ist Koordinatorin der Bewegung „Die Vielen“ für Hamburg. Inzwischen haben Deutschland-weit rund 500 Kulturinstitutionen die „Erklärung der Vielen“ verabschiedet. „Wir wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren“, heißt es darin. Und: „Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch rechte Ideologien immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.“

Bisher wurden Erklärungen für Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Dresden veröffentlicht, weitere sollen demnächst folgen. Zudem sind im Mai in Berlin und anderen Städten Demonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern geplant. Das Motto lautet: „Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!“ Für Christophe Knoch ist die AfD nicht die Ursache, sondern allenfalls ein Symptom für einen gesellschaftlichen Wandel. Es gehe darum, für Freiheitsrechte und die schützenswerten Formen des Zusammenlebens einzutreten, sagt der Koordinator des Netzwerkes „Die Vielen“.

(S E R V I C E - https://www.dievielen.de/)




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