Letztes Update am Mo, 14.01.2019 11:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kurilen als Hindernis für Frieden zwischen Moskau und Tokio



Moskau/Tokio (APA) - Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist schon mehr als sieben Jahrzehnte her, und die Sowjetunion gibt es heute gar nicht mehr: Trotzdem haben Japan und Russland immer noch keinen Friedensvertrag geschlossen. Der Grund dafür sind vier Inseln, die von der Sowjetunion nach Kriegsende besetzt wurden und mit deren Verlust sich Japan bis heute nicht abfinden kann.

GESCHICHTE

Die Regierung in Tokio beansprucht vier Inseln der Kette zwischen Hokkaido im Nordosten Japans und der russischen Halbinsel Kamtschatka. Die UdSSR hat die Inseln am Ende des Zweiten Weltkrieges besetzt und kontrolliert damit die gesamte, etwa 1.200 Kilometer lange Inselkette aus über 30 kleinen und großen Inseln. Als die Sowjetunion die Inseln Anfang September 1945 besetzte, mussten etwa 17.000 japanische Bewohner von den Inseln Kunashiri, Etorofu, Shikotan und Habomai fliehen. Derzeit werden die Inseln von etwa 19.000 Russen bewohnt. In Japan wird die Insel-Gruppe als Nördliches Territorium bezeichnet, in Russland als Südliche Kurilen. Anfang 2017 gab Russland fünf unbewohnten Eilanden des Archipels russische Namen. Eine der kleinen Inseln trägt den Namen von General Alexej Gnetschko, einem Eroberer der Kurilen. Russland hatte sich nämlich bereits im 18. Jahrhundert auf der Inselkette festgesetzt, im Jahr 1875 fiel sie aber durch den Vertrag von St. Petersburg komplett an Japan.

RESSOURCEN

Die meisten Menschen auf den Inseln leben von der Fischerei. In Japan wird viel Fisch gegessen, das Land würde mit den Inseln wertvolle Fischgründe bekommen. Die Inseln liegen aber auch nahe der öl- und gasproduzierenden Regionen Russlands. Zudem werden dort wertvolle Mineralien vermutet. Allerdings dreht sich der Streit weniger um Rohstoffe als um politische Angelegenheiten.

RUSSISCHE PRÄSENZ

Nachdem der damalige russische Präsident Boris Jelzin im Jahr 1997 eine Rückgabe der Kurilen ausschloss, bekräftigte Moskau seine Ansprüche in den vergangenen Jahren sukzessive. So besuchte im November 2010 der damalige Präsident Dmitri Medwedew als erstes russisches Staatsoberhaupt eine der Inseln, was die japanische Regierung mit Protesten quittierte. Im April 2013 vereinbarten die Regierungen in Moskau und Tokio Verhandlungen über die Kurilen, doch gut zwei Jahre später besuchte Medwedew - diesmal als Ministerpräsident - wieder die Inselkette. Bei der Visite im August 2015 gab Medwedew bekannt, dass Russland die Grenze des Festlandsockels rund um die Inseln um 50.000 Quadratkilometer ausweite. Anfang 2018 baute Russland dann auch seine militärische Präsenz auf den Kurilen aus, indem Medwedew die Stationierung von Kampfflugzeugen auf der Insel Etorofu erlaubte.

(KEIN) FRIEDENSVERTRAG

Im Jahr 1951 stellte der Friedensvertrag von San Francisco zwischen Japan und den Alliierten fest, dass Japan alle Rechte, Titel und Ansprüche bezüglich der Kurilen aufgibt. Zwar wurden keine exakten geografischen Grenzen festgelegt, doch verstanden alle Teilnehmer der Friedenskonferenz die Position Japans, dass die vier südlichen Inseln nicht zu den Kurilen gezählt wurden. Dies wurde von den USA im Jahr 1957 in einer Note an die Sowjetunion bekräftigt, die sich dem Friedensvertrag von San Francisco nicht angeschlossen hatte. Damit sind Moskau und Tokio formell immer noch im Kriegszustand. Bei einem Treffen im sibirischen Wladiwostok bot der russische Präsident Wladimir Putin dem japanischen Premier Shinzo Abe im vergangenen September an, einen Friedensvertrag bis Jahresende zu schließen, „ohne irgendwelche Vorbedingungen“. Dazu kam es aber nicht, und auch auf Vorbedingungen wollte Moskau nicht verzichten. Zwar trifft der japanische Außenminister Taro Aso am heutigen Montag in Moskau mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zu Gesprächen über einen Friedensvertrag zusammen, doch über die Kurilen will Russland dabei nicht reden. Für einen Friedensvertrag müsse Tokio „die Folgen des Zweiten Weltkriegs in vollem Umfang anerkennen, einschließlich der Souveränität unseres Landes über die südlichen Kurilen-Inseln“, betonte das russische Außenministerium im Vorfeld des Treffens.

(Grafik Nr. 0060-19, Format 88 x 115 mm)




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