Letztes Update am Mo, 14.01.2019 11:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimawandel und Borkenkäfer: Fichten-Vorherrschaft in Forsten verebbt



Wien (APA) - Der Borkenkäfer nagt laut Wissenschaftern an der Vorherrschaft der Fichten in den österreichischen Forsten. Die globale Erwärmung nützt den Schädlingen und schwächt die Bäume. Die Forstwirte sollten vermehrt nicht-heimische Arten sowie Tannen und Lärchen pflanzen, damit die Wälder weniger vom Klimawandel in Mitleidenschaft gezogen werden, erklärten sie der APA im Vorfeld einer Fachtagung in Wien.

Durch die höheren Temperaturen entwickeln sich die Borkenkäferlarven schneller zum erwachsenen Tier und deshalb malträtieren pro Jahr drei statt früher zwei Generationen dieser Forstschädlinge die Bäume, sagte Silvio Schüler vom Institut für Waldwachstum und Waldbau des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW). Zusätzlich wurden die Fichten vor allem in den Gebieten nördlich der Donau, also dem Mühl- und Waldviertel, im vergangenen Jahr stark von der Trockenheit und der Hitze beeinträchtigt.

Viele Bäume starben dadurch ab und mussten rasch geschnitten und aus dem Wald gebracht werden, berichtet er. Dadurch kam viel Fichtenholz auf den Markt, das nicht lange gelagert werden kann, und die Preise fielen.

In den 1990er Jahren bedeckten die Fichten in Österreich 1,9 Millionen Hektar, was etwas mehr als die Hälfte der Waldfläche der Alpenrepublik waren, so Klemens Schadauer vom Institut für Waldinventur des BFW. Seitdem wird die Fichten-Fläche pro zehn Jahre um fünf Prozent weniger. „Langfristig kann so eine Entwicklung zu einer deutlichen Veränderung in der Baumartenzusammensetzung des Waldes führen“, erklärte er.

Um die Forste weniger anfällig für Schädlinge und den Klimawandel zu machen, könne man die Fichtenreinbestände zum Beispiel mit nicht einheimischen Arten wie Douglasien auflockern, einem aus Nordamerika stammenden Kieferngewächs, sagte seine Kollegin Katharina Lapin. Auch die Roteiche und die Schwarznuss wären praktikable Alternativen. Welche Art zu bevorzugen ist, hänge vom Standort ab. „Es gibt keinen Wunderbaum, der überall gut wächst“, sagte sie. Sowohl die heimischen Arten als auch die Bäume aus Asien und Amerika hätten individuelle Stärken und Schwächen.

Die ersten Feldversuche, um herauszufinden, welcher Baum für welchen Standort gut geeignet ist, gab es schon im 19. Jahrhundert, erklärte Lapin, mittlerweile würde in Europas sehr ernsthaft daran geforscht. „Wir sind da kein Vorreiter, in anderen Ländern werden nicht heimische Baumarten schon viel intensiver in der Praxis genutzt“, sagte sie.

Zusätzlich sollte man die Fichten-Reinkulturen vermehrt mit einheimischen Nadelbaumarten wie Tannen und Lärchen durchmischen, meint Schüler. Sie haben ähnliche Verwendungsmöglichkeiten und können genau so wie der vermehrte Einsatz von nicht einheimischen Bäumen ein Teil der Lösung gegen Klimawandel-Probleme sein, erklärte er.

Der BFW-Praxistag 2019 zum Thema „Fichte ade?“ findet am Mittwoch (16. Jänner) in Wien statt, zusätzlich gibt es in den Tagen darauf Tagungen in Ossiach, Traunkirchen und Innsbruck.

(S E R V I C E - Internet: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10472)




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