Letztes Update am Mo, 14.01.2019 12:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Früherer italienischer Linksextremist Battisti in Rom eingetroffen



Rom (APA) - Nach seiner Festnahme in Bolivien ist der von Italien wegen vierfachen Mordes in den 70er-Jahren gesuchte Ex-Linksextremist Cesare Battisti am Montag an Bord einer Falcon-Maschine der italienischen Regierung auf dem römischen Flughafen Ciampino eingetroffen Der 64-Jährige, der seit 38 Jahren auf der Flucht war, stieg aus dem Flugzeug ohne Handschellen und von Polizisten umringt.

Auf die Ankunft des aus Bolivien gestarteten Flugzeuges warteten der italienische Innenminister Matteo Salvini und Justizminister Alfonso Bonafede. Die Ankunft Battistis wurde auf Salvinis Facebook-Seite live übertragen. „Endlich wird der kommunistische Mörder Cesare Battisti in der Heimat hinter Gittern landen. Heute ist ein historischer Tag für Italien“, kommentierte Salvini auf Facebook.

Justizminister Bonafede erklärte, dass der Ex-Terrorist, der am Sonntag im bolivianischen Santa Cruz an die italienischen Behörden übergeben wurde, die lebenslange Haftstrafe absitzen wird, zu der er wegen vierfachem Mord verurteilt wurde. Battisti soll in die römische Hochsicherheitsanstalt Rebibbia eingeliefert werden, wo er mindestens sechs Monate lang in Isolierung verbringen wird, verlautete es aus Regierungskreisen.

Nach einer Verurteilung im Jahr 1979 wegen Mitgliedschaft in der verbotenen Gruppe „Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus“ war Battisti aus einem italienischen Gefängnis ausgebrochen. 1993 wurde er in Italien in Abwesenheit wegen vierfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Ende der 70er-Jahre verübten Morde werden der linksextremistischen Gruppe angelastet, deren Mitgründer Battisti war. Battisti gibt seine Mitgliedschaft in der Gruppe zu, bestreitet aber die Mordvorwürfe.

Battisti hatte sich zuletzt jahrelang in Brasilien unter dem Schutz linksgerichteter Präsidenten einer Auslieferung nach Italien entzogen. Brasiliens neuer rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro hatte Italien bereits vor seiner Wahl Ende Oktober die Auslieferung Battistis in Aussicht gestellt. Mitte Dezember wurde in Brasilien Haftbefehl gegen Battisti erlassen, seitdem war er untergetaucht. Am Samstag wurde er schließlich in Bolivien gefasst.

Salvini forderte Frankreich auf, andere ehemalige Linksextremisten nach Italien auszuliefern. „Ich werde unseren Premier Giuseppe Conte aufrufen, (Frankreichs Präsidenten Emmanuel) Macron zu schreiben, damit die Kriminellen zurückkommen, die so viele Menschenleben zerstört haben“, so Salvini. Mehrere Ex-Linksextremisten, die in Italien wegen Terrorismus verurteilt wurden, leben seit Jahren in Frankreich.

Vor dem Kolosseum wurde in der Nacht auf Montag ein Spruchband mit dem Slogan: „Battisti frei: Amnestie für die Genossen, wir leisten Widerstand“. Das Spruchband wurde von der Polizei entfernt.




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