Letztes Update am Mo, 14.01.2019 15:31

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien will weitere Ex-Terroristen aus dem Ausland zurückholen



Rom (APA) - Nach der Festnahme des 38 Jahre lang flüchtigen italienischen Linksextremisten Cesare Battisti will die Regierung in Rom weitere Ex-Terroristen in die Heimat zurückholen. Dabei handelt es sich vor allem um ehemalige Linksextremisten, die sich in Frankreich aufhalten.

Innenminister Matteo Salvini kündigte bei einer Pressekonferenz nach Battistis Ankunft in Rom am Montag an, dass sich die Regierung um die Rückführung „Dutzender Terroristen“ bemühen wolle, die „nicht in unseren Strafanstalten ihre Strafen absitzen“. „Wir haben bereits positive Antworten, mehr kann ich im Moment dazu nicht sagen“, erklärte Salvini.

Nach Angaben der Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“ (Montagsausgabe) sind noch 33 frühere italienische Terroristen im Ausland auf der Flucht, darunter 15 Ex-Mitglieder der linksextremistischen Terrororganisation „Rote Brigaden“ (Brigate Rosse) die für unzählige Morde und Anschläge in den 1970er- und 1980er-Jahren verantwortlich gemacht wird. Die meisten davon befänden sich in Frankreich.

Der französische Präsident Francois Mitterrand hatte 1985 allen reumütigen Terroristen aus Italien politisches Asyl angeboten. Er nannte sie „Aktivisten“, denen Frankreich mit der Begründung Schutz anbot, dass Italiens Justiz unter dem Einfluss von Sondergesetzen zur Terrorismusbekämpfung keine fairen Prozesse garantiere. Bekannt wurde diese Politik als „Mitterrand-Doktrin“. Sie zog in jener Zeit etwa 140 Extremisten aus Italien an. Viele von ihnen leben bis heute noch in Frankreich.

Zu ihnen zählt der in Italien zu 22 Jahren Haft verurteilte Ex-Chef der linksradikalen Gruppe „Lotta Continua“, Giorgio Pietrostefani. Auch die beiden Ex-BR-Terroristinnen Simonetta Giorgieri und Carla Vendetti, die wegen des Mordes an Italiens christdemokratischem Parteichef Aldo Moro 1978 zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurden, leben in Frankreich. Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte die Auslieferung der wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilten Ex-Terroristin Marina Petrella aus humanitären Gründen verweigert.




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