Letztes Update am Mo, 14.01.2019 15:34

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Blutdrucksenker könnte Schwangerschaftsvergiftung bremsen



Zürich (APA/sda) - Eine Schwangerschaftsvergiftung ist das Schreckgespenst vieler werdender Eltern, da sie oft zu Frühgeburten führt. Forschende der ETH Zürich haben einen Ansatz entdeckt, wie man diese Komplikation mit Medikamenten zumindest etwas bremsen könnte.

Bei einer Schwangerschaftsvergiftung, auch Präeklampsie genannt, steigt der Blutdruck und die Nieren versagen zusehends ihren Dienst. Es ist die häufigste Schwangerschaftskomplikation weltweit. Eine Behandlung gibt es nicht. Um Schlimmeres zu verhindern, muss die Geburt vorzeitig eingeleitet werden. Eine Frühgeburt bedeutet jedoch ein Gesundheitsrisiko fürs Kind.

Forschende der ETH Zürich haben mit Kollegen aus der Schweiz, den USA und Ägypten eine Möglichkeit gefunden, das Fortschreiten einer Präeklampsie so zu bremsen, dass sich die Schwangerschaft zumindest um mehrere Tage verlängern lässt, wie die ETH am Montag mitteilte. Davon berichten die Wissenschafter im Fachblatt „Cell“.

Auf die Behandlungsmöglichkeit stieß das Team um Ursula Quitterer von der ETH anhand von Studien mit Mäusen. Im Fokus der Untersuchung standen zwei bestimmte Rezeptoren - zwei molekulare „Fühler“, die sich ineinander verkeilen und sogenannte „Heterodimere“ bilden, schrieb die ETH. Diese reagieren auf mechanische Reize und lösen Signalkaskaden im Inneren der Blutgefäßzellen aus.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft kann der hohe Druck im Bauch dazu führen, dass diese Rezeptor-Heterodimere überreizt werden, wie die Forschenden berichten. Die Signalkaskaden entgleisen und die Blutgefäßzellen schwellen an. Die Folge ist, dass die Blutgefäße steif werden und nicht mehr elastisch sind wie gesunde Gefäße.

Bei den Mäusen stellten Quitterer und Kollegen fest, dass eine künstlich erhöhte Zahl der Rezeptor-Heterodimere dazu führte, dass die Mäusemütter nach 18 von 20 Tagen Tragezeit Symptome einer Präeklampsie entwickelten.

Diese ließ sich jedoch mit einem blutdrucksenkenden Medikament verzögern, das schon lange auf dem Markt und dessen Patentschutz abgelaufen sei, schrieb die ETH. Das Arzneimittel namens Amplodipin unterbricht die Signalkaskaden, die von den überreizten Rezeptor-Heterodimeren angestoßen werden. Die Blutgefäßzellen der Mäuse schwollen unter der Behandlung nicht an und die Blutgefäße blieben elastisch.

In Zusammenarbeit mit einem Chefarzt der gynäkologischen Universitätsklinik in Kairo konnten die Forschenden auch die Wirksamkeit dieses Ansatzes in einer Pilotstudie bei Frauen testen: Jeweils vier Schwangere mit einer beginnenden Präeklampsie erhielten entweder Amplodipin oder das ähnlich wirkende Arzneimittel Nifedipin.

Beide Medikamente senkten den Blutdruck, Amplodipin verzögerte die notwendige Geburtseinleitung jedoch deutlich mehr. Zwar auch nur um durchschnittlich vier Tage, bei Frühgeburten zähle jedoch jeder Tag mehr im Mutterbauch, betonte Quitterer laut ETH-Mitteilung. In größeren Studien sei nun zu prüfen, ob Amplodipin - möglicherweise in Kombination mit Aspirin - den Beginn einer Präeklampsie bei Hochrisiko-Schwangeren verzögern könne.

Aspirin war bereits in früheren Studien als Prävention gegen Schwangerschaftsvergiftungen getestet worden, hatte dabei aber je nach Dosis unterschiedlich gut Schutz geboten. Da die Einnahme von Aspirin gerade in höheren Dosen während der Schwangerschaft auch Risiken birgt, empfehlen Mediziner die Einnahme nur bei hohem Risiko für eine Präeklampsie. Als Risikofaktoren gelten Übergewicht oder fortgeschrittenes Alter der Mutter, sowie zuvor bestehender Bluthochdruck oder auch Diabetes.




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