Letztes Update am Mo, 14.01.2019 20:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Polen trauern landesweit um toten Danziger Bürgermeister



Warschau (APA/dpa) - Nach dem tödlichen Messerangriff auf Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz haben Polen landesweit spontan gegen Hass und Gewalt demonstriert. Allein in Warschau versammelten sich am Montagabend unter dem Motto „Stopp dem Hass“ Tausende Menschen, wie die Agentur PAP meldete. Ähnliche Trauerkundgebungen fanden in weiteren Städten statt.

In Danzig sagte der EU-Ratspräsident, Polens Ex-Regierungschef Donald Tusk, PAP zufolge: „Ich verspreche Dir heute, lieber Pawel, dass wir für Dich unser Danzig, unser Polen und unser Europa von Hass befreien werden.“

Adamowicz, seit 1998 Bürgermeister der nordpolnischen Stadt, war am Sonntagabend während einer Benefizveranstaltung von einem Messerstecher attackiert worden und erlag am Montag seinen inneren Verletzungen. Die Behörden gingen von Mord und niederen Beweggründen aus. Ein Gericht ordnete am Abend U-Haft für den 27 Jahre alten Angreifer an.

Nach inoffiziellen Medienberichten ist der Mann psychisch krank und litt an Schizophrenie, wie die PAP unter Berufung auf Danziger Gefängnisärzte berichtete. Der Mann war bereits vorbestraft und saß wegen Banküberfällen in Haft. Für die Gefängnisstrafe machte er Adamowiczs Ex-Partei Bürgerplattform PO verantwortlich und wollte sich rächen, hieß es weiter. Adamowicz war seit 2015 parteilos.

Von einem staatlich organisierten Trauermarsch sah Präsident Andrzej Duda auf Wunsch der Angehörigen ab. Die Familie habe sich eine weitestgehende Zurückhaltung der Politik gewünscht, sagte er und kündigte stattdessen für den Tag der Beerdigung des 53-Jährigen Staatstrauer an. Ein Termin stand zunächst nicht fest. Der Politiker hinterlässt eine Frau und zwei Töchter (8) und (15).

Der Angriff auf Adamowicz löste in Polen eine politische Debatte über Hassreden aus. Der heftige Streit zwischen Opposition und der Regierungspartei PiS könne zur Eskalation der Gewalt beigetragen haben, meinten Kritiker. Anhänger verschiedener Parteien mahnten, das Attentat auf Adamowicz nicht zu politisieren.




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