Letztes Update am Di, 15.01.2019 10:08

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Handball: Szilagyi fordert für Bilyk in Team-Führungsrolle noch Zeit



Herning (APA) - „Stand out!“ In Österreichs Nationalteam verkörpert niemand besser den offiziellen Leitspruch der Handball-WM besser als Nikola Bilyk. Der Kiel-Legionär gilt als rot-weiß-roter Heilsbringer, eine Rolle, die er mit 22-Jahren nicht immer erfüllen kann. Viktor Szilagyi, sein Vorgänger als Teamkapitän und aktueller Sportdirektor bei Kiel, ist von Bilyk überzeugt, aber: „Er wird noch Zeit brauchen.“

Nicht zuletzt, der Umstand, dass Bilyk mental „unglaublich weit“ sei, werde ihm in diesem Zusammenhang gewissermaßen zum Verhängnis. „Wenn man mit ihm spricht, glaubt man, dass man einen erfahrenen Spieler mit 15 Profijahren vor sich hat. Er ist abgeklärt, hat sehr, sehr klare Vorstellungen und ist auch privat gut organisiert. Das ist nicht typisch für dieses Alter“, beschrieb Szilagyi am Rande der WM in Herning den ÖHB-Teamkapitän.

„Dadurch steigt die Erwartungshaltung, und man tut ihm vielleicht manchmal unrecht“, sagte Szilagyi. „Als Handballer muss er aber noch reifen. Er ist erst 22 und wird noch einige Zeit brauchen, um auf dem Spielfeld eine Mannschaft auch führen zu können. Aber ich zweifle keine Sekunde daran, dass er dort hinkommt.“

Was den langährigen Deutschland-Legionär und Champions-League-Sieger mit Kiel 2007 so sicher macht? „Er ist ein ganz, ganz harter Arbeiter. Er ist immer wieder auf der Suche nach Input und ordnet dem Erfolg alles unter“, erklärte Szilagyi. Das berge freilich auch eine Gefahr: „Es ist ein ganz schmaler Grat, es kann zu einer Verkrampfung kommen. Da muss man dann helfen, dafür sind auch die Trainer da. Man darf von sich selbst nicht immer zu viel verlangen, sonst kommt man ganz schnell in einen Strudel rein, wo man nie zufrieden ist. Zu jeder Entwicklung gehören Rückschläge dazu.“

Ein mögliches Scheitern Österreichs in der WM-Vorrunde, wie es vor den abschließenden Gruppenduellen mit Dänemark am (heutigen) Dienstag und Tunesien am Donnerstag durchaus denkbar ist, wäre wohl so ein Negativerlebnis. Wenn Bilyk im ÖHB-Team agiere, sei das für ihn „eine besondere Situation“, betonte Szilagyi. „Er spielt bei einem absoluten Topclub. Wenn es dort einmal nicht so lauft, dann gibt es einen anderen Topspieler. Aber in der Nationalmannschaft muss er sich selbst herausziehen. Das ist ein Schritt, der ihm noch bevorsteht.“

Auch Szilagyi, der 2016 nach 203 Länderspielen seine Teamkarriere beendete, benötigte nach seinem Debüt 1998 mit 19 Jahren einige Zeit, um zu jenem Führungsspieler heranzureifen, der die ÖHB-Auswahl in vier Endrunden führte - seine erste davon im Alter von 31. Ein großer Unterschied zu Bilyk, der diesbezüglich schon jetzt wertvolle Erfahrungen sammeln kann.

Österreichs Blamage am vergangenen Samstag gegen Chile gab Szilaygi durchaus zu denken, für die Heim-EM in einem Jahr ist er dennoch optimistisch. „Die Euphorie kann dich weit tragen. Da gibt es keine Grenze, was da an Power kommen kann“, meinte er rückblickend auf die Heim-EM 2010, wo man Neunter wurde. Nur auf den achten Mann könne man sich aber nicht verlassen: „Der erste Schritt muss von der Mannschaft kommen.“




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