Letztes Update am Di, 15.01.2019 10:08

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Botschafter in Deutschland kritisiert erneut Nord Stream 2



Düsseldorf (APA/AFP) - Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat seine Drohungen gegen deutsche Firmen in Zusammenhang mit dem Pipeline-Projekt Nord Stream 2 verteidigt. „Die zentrale Verantwortung eines Diplomaten besteht darin, die Bürger seines Heimatlandes zu schützen und die Interessen dieses Heimatlandes zu verteidigen“, sagte Grenell der „Rheinischen Post“ vom Dienstag.

Regierung und Kongress in den USA hätten „klare Vorbehalte bezüglich Energiesicherheit und den geopolitischen Auswirkungen von Nord Stream 2“.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Grenell in Briefen an deutsche Unternehmen mit Sanktionen gedroht hatte. Firmen, die den Bau von Nord Stream 2 und der ebenfalls geplanten Pipeline TurkStream unterstützten, würden die Sicherheit der Ukraine und Europas aktiv untergraben, hieß es darin laut „Bild am Sonntag“.

Laut der US-Botschaft waren die Briefe mit mehreren US-Regierungsbehörden abgestimmt. Sie sollten demnach nicht als Drohung, sondern als „klare Botschaft der US-Politik“ verstanden werden. Deutsche Politiker reagierten verstimmt.

Der „Rheinischen Post“ sagte Grenell nun, seine Aufgabe als Botschafter sei es, „gegenüber der deutschen Regierung, von Wirtschaftsführern, der Zivilbevölkerung, den Medien und der Öffentlichkeit die Politik meiner Regierung zu repräsentieren“.

Bei Nord Stream 2 handle es sich gar nicht um ein Wirtschaftsprojekt, monierte er. „Es wurde nur aus einem Grund entwickelt: Um für den Transport von russischem Gas auf dem Weg nach Europa eine alternative Route zu schaffen, die nicht durch die Ukraine führt.“ Es stelle sich die Frage, ob Europa abhängiger von einem Land werden wolle, „das in einen souveränen Staat einmarschiert ist und ein Gebiet illegal annektiert hat“, sagte Grenell mit Blick auf die russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim.

Nord Stream 2 soll ab Ende 2019 russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. US-Präsident Donald Trump hat die deutsche Beteiligung an dem Projekt wiederholt scharf kritisiert; auch Grenell drohte beteiligten Spezialfirmen bereits früher mit Sanktionen. Die österreichische OMV, die ebenfalls an dem Projekt mitarbeitet, hat keinen Brief von Grenell bekommen.




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