Letztes Update am Di, 15.01.2019 10:17

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Winterwetter - Weiter hohe Lawinengefahr in Salzburg



Salzburg/Österreich-weit (APA) - In Salzburg sollte sich die Wetterlage im Laufe des Dienstags merklich entspannen. Die Schneefälle nahmen allmählich ab, weiter sehr problematisch blieb allerdings die Lawinengefahr. Der Katastrophenschutz des Landes hoffte am Vormittag auf ehestmögliches Flugwetter, um die Lage aus der Luft beurteilen zu können. In der Früh waren im Bundesland 14 Gemeinden nicht auf der Straße erreichbar.

„Die Gefahr einzelner großer bis sehr großer Lawinen bleibt hoch“, sagte Michael Butschek vom Salzburger Lawinenwarndienst am Vormittag zur APA. „Staublawinen können dabei auch große Reichweiten erreichen“. Viele Gräben, Auslaufbereiche und Lawinenschutzbauten seien mittlerweile durch den Neu- und Triebschnee, aber auch durch ältere Lawinen zur Gänze voll und möglicherweise nicht mehr wirksam. Damit bestehe die Gefahr, dass auch aus vermeintlich sicheren Bereichen Lawinen abgehen können.

„Wettertechnisch sind wir durch. Aber die Lawinengefahr und Baumbrüche stellen uns vor große Herausforderungen“, sagte auch Markus Kurcz, der Einsatzleiter des Landes. „Wir hoffen auf ein Sichtfenster, um uns mit dem Hubschrauber ein Bild der Situation und des Schadensausmaßes machen zu können.“ Man sei vom Flugwetter abhängig, um zu erkennen, ob Straßen geöffnet oder Lawinen abgesprengt werden können.

Wegen Straßensperren waren seit Montagabend 14 Salzburger Gemeinden nicht erreichbar und 41.000 Menschen eingeschlossen. Betroffen waren Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach im Salzburger Saalachtal, Obertauern und Tweng am Radstädter Tauern, Großarl und Hüttschlag im Großarltal, Viehhofen und Saalbach-Hinterglemm im Glemmtal, Muhr im Lungau, Mühlbach am Hochkönig, Rauris und St. Martin am Tennengebirge.

„Den Leuten in den betroffenen Gemeinden geht es gut. Wir haben vorgesorgt, dass es vor Ort genug Diesel für Räumfahrzeuge, Notstromaggregate und eine gute Santitätsversorgung gibt“, betonte Kurcz. „Die allgemeine Versorgungslage ist gut. Viele Menschen werden gar nicht merken, dass sie abgeschnitten sind - außer, sie wollen das Tal verlassen.“

Neben dem Pinzgau war vor allem der Pongau ein Hotspot. Rund um das Tennengebirge dürfte der nasse Schnee und der Sturm in den vergangenen 48 Stunden sehr viel Baumwurf produziert haben. Sollte das Wetter mitspielen, werden sofort zahlreiche Hubschrauber abheben - für die Lawinenwarnkommissionen, die Forstdirektion, auch die Salzburg AG will ihre Leitungstrassen befliegen. Zudem stehen drei größere Maschinen des Bundesheers bereit, um in „Downwash“-Einsätzen den Schnee von Bäumen entlang von Verkehrswegen zu blasen. „Diese Maschinen können sofort eingesetzt werden, wenn Lawineneinsätze schlagend werden, um die Bergrettung und die Lawineneinsatzzüge des Bundesheers zu ihren Einsatzorten bringen zu können.“

Die Zahl der Haushalte ohne Stromversorgung war über Nacht wieder angestiegen. Am Vormittag waren laut Salzburg AG etwa 700 Kunden im gesamten Bundesland ohne Strom. In Filzmoos brach am Abend die Stromversorgung zusammen, noch in den Nachtstunden wurden aber Notstromaggregate in den Ort gebracht. Auch in St. Martin im Tennengebirge fiel in der Nacht ein Trafo aus - was auch Auswirkungen auf die Mobilfunktelefonie hatte. Zahlreiche Schulen im Bundesland blieben am Dienstag geschlossen.

Die Totalsperre der Tauernautobahn (A10) zwischen der Einhausung Zederhaus und dem Katschbergtunnel Südportal ist laut Polizei um 4.00 Uhr wieder aufgehoben worden. Die Sperre war aufgrund der starken Schneefälle und zahlreicher hängen gebliebener Schwerfahrzeuge notwendig geworden. Die Schneekettenpflicht für Schwerfahrzeuge war am Morgen noch aktiv, eine Aufhebung wurde aber für den Lauf des Vormittags angekündigt. Weiter nicht passierbar waren Dienstagfrüh die Bahnstrecken am Pass Lueg sowie zwischen Saalfelden und St. Johann in Tirol und zwischen Stainach-Irdning und Bischofshofen.

Wie schnell der viele Schnee zur lebensbedrohlichen Gefahr werden kann, zeigte ein am Montag bekannt gewordener Vorfall vom vergangenen Samstag. Ein 19-jähriger Urlaubsgast aus Dänemark hatte sich in Wagrain (Pongau) spätabends in offensichtlich alkoholisiertem Zustand am Straßenrand auf eine Leitschiene gesetzt. Dabei verlor er den Halt und stürzte über einen Steilhang in einen Graben. Durch den vielen Schnee konnte er nicht mehr aus eigener Kraft zur Straße zurück aufsteigen. Nach rund einer Stunde hörten Passanten seine Hilferufe und alarmierten die Einsatzkräfte. Der Mann wurde stark unterkühlt geborgen, konnte aber am Sonntag wieder das Krankenhaus verlassen.

Der Lawinenlagebericht meldete für Dienstag für Salzburg große Lawinengefahr, also Stufe 4. Allerdings könnte es neben Staublawinen auch zu Gleitschneelawinen mit „furchteinflößenden Anrissen und beachtlicher Größe“ kommen. Die Situation für Wintersportler blieb „absolut heikel“. Wegen der Gefahr von Schneebrettern wurde vor Unternehmungen im ungesicherten Gelände noch abgeraten.

( 0023-19)




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