Letztes Update am Di, 15.01.2019 13:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Strauss-Oper „Elektra“ nach mehr als 30 Jahren wieder in Linz



Linz (APA) - Am Samstag kommt die Oper „Elektra“ von Richard Strauss mit dem Text von Hugo von Hofmannstahl nach mehr als 30 Jahren wieder nach Linz. Musiktheater-Intendant Hermann Schneider setzt damit den Strauss-Schwerpunkt fort, den er 2016 mit der „Salome“ begonnen hat und dem Opernchef und Chefdirigent des Linzer Bruckner Orchesters Markus Poschner 2017 mit der „Frau ohne Schatten“ gefolgt ist.

„Elektra“ sei für alle Beteiligten ein Debüt, verriet Poschner, der die Oper musikalisch leitet, in einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz. Die Elektra sei ein „unglaublicher Aufwand“, dementsprechend viel Zeit habe sich auch das Bruckner Orchester zum Einstudieren genommen. Die Partitur sei an Inspiration und Virtuosität kaum zu überbieten. „Strauss experimentiert mit den Instrumenten, Kontrabässe spielen Melodien in den höchsten Höhen, es gibt perkussionistische Streicher“, verdeutlichte der Chefdirigent. „Man ist in keinem Takt davor geschützt, in Mark und Bein erschüttert zu werden“, stellt er dem Publikum ein aufwühlendes Hörerlebnis in Aussicht - wobei die „Elektra“ ohnehin kein Stück sei, das man durch einmaliges Hören verstehen könne.

Inszenieren wird Michael Schulz, Intendant am Musiktheater in Gelsenkirchen. Das Stück habe aus der Zeit heraus bis heute Relevanz behalten, sagte er zu dem Antikendrama, das von der Rache der Elektra für den Mord an ihrem Vater Agamemnon durch ihre Mutter Klytämnestra und deren Liebhaber Aegisth handelt. In Linz stehen die drei Frauenrollen im Zentrum - diese Oper schreie geradezu danach, so Poschner: Elektra, ihre Mutter Klytämnestra und ihre Schwester Chrysothemis. Schulz sieht Elektra als „eine Person, die auf ihre Art und Weise den Hof in Sippenhaft genommen hat mit ihrem Rachegefühl“. Sie beziehe alle in Form von Gehirnwäsche ein, diese Rache zu vollziehen. Der Regisseur sieht durchaus Parallelen zur Politik in der heutigen Zeit.

Mutig ist die Besetzung mit jungen Stimmen: Miina-Liisa Värelä - die finnische Sopranistin war bereits als Färberin in „Frau ohne Schatten“ zu hören - als Elektra und Katherine Lerner als Klytämnestra. Brigitte Geller wird die Chrysothemis singen, Matthäus Schmidlechner (Aegisth) und Michael Wagner (Orest) führen das weitere hauseigene Solistenensemble an. Das Bühnenbild stammt von Dirk Becker, die Kostüme von Renee Listerdal. Beide spielen mit Perspektiven und Assoziationen. „Auf einmal passen die Räume nicht mehr mit den Figuren zusammen, alles löst sich auf“, stellte Becker auch hier Spannendes in Aussicht.

Mit der „Elektra“ - uraufgeführt 1909 - begann die langjährige Zusammenarbeit von Richard Strauss mit Hugo von Hofmannsthal. Dem Text liegt die gleichnamige Tragödie von Sophokles zugrunde, die 413 v. Chr. uraufgeführt wurde. Zuletzt wurde die Oper in der Saison 1965/66, also vor mehr als einem halben Jahrhundert, in Linz aufgeführt. Vor 38 Jahren gastierte das Landestheater mit mehreren Aufführungen im Linzer Brucknerhaus und 1994 sorgte eine weitere szenische Aufführungsserie des hochdramatischen Einakters im Brucknerhaus für internationale Beachtung - mit Hildegard Behrens in der Titelrolle und dem 34-jährigen Franz Welser-Möst am Pult.

(S E R V I C E - „Elektra“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Premiere im Linzer Musiktheater am 19. Jänner (19.30 Uhr), Regie: Michael Schulz, Dirigent: Markus Poschner. Mit u.a. Katherine Lerner (Klytämnestra), Miina-Liisa Värela (Elektra), Brigitte Geller (Chrysothemis). Weitere Aufführungen: 24., 26. Jänner, 6., 16., 21. Februar, 4., 21., 26. März. http://landestheater-linz.at)




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