Letztes Update am Di, 15.01.2019 13:11

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Chinesischer Anwalt erhält deutsch-französischen Menschenrechtspreis



Peking (APA/AFP) - Der deutsche und der französische Botschafter in China haben dem inhaftierten Menschenrechtsanwalt Yu Wensheng den deutsch-französischen Menschenrechtspreis verliehen. Yus Frau Xu Yan nahm die Auszeichnung für ihren Mann am Montag in der deutschen Botschaft in Peking entgegen.

Yu war im Jänner 2018 festgenommen und der „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ beschuldigt worden. Kurz vor seiner Festnahme hatte Yu einen offenen Brief verbreitet, in dem er Verfassungsreformen forderte. Als Anwalt hatte er mehrere andere Menschenrechtsanwälte und Demonstranten aus Hongkong vertreten, die dort für mehr Demokratie auf die Straße gegangen waren. Er verklagte zudem die Regierung wegen des Smogs in Peking.

Seine Frau sagte bei der Preisverleihung in der deutschen Botschaft, ihr Mann habe seit seiner Festnahme vor einem Jahr keinen Anwalt treffen dürfen. „Sein Fall wurde drei Mal vertagt und zwei Mal für weitere Ermittlungen zurück an die Polizei verwiesen“, sagte sie laut einer Mitschrift, die sie über den Kurzbotschaftendienst WeChat verbreitete. Im Dezember sei sein Fall erneut zur „Prüfung und Strafverfolgung“ an die zuständigen Behörden verwiesen worden.

Die chinesische Führung hat seit dem Amtsantritt von Staatschef Xi Jinping im Jahr 2012 ihr Vorgehen gegen Menschenrechtsaktivisten und Regierungskritiker verschärft. Di deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich im Mai bei einem Besuch in China mit Xu und der Ehefrau eines weiteren inhaftierten Menschenrechtsanwalts getroffen.




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