Letztes Update am Di, 15.01.2019 14:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ermittlungen gegen Deutschen wegen Massaker von Babyn Jar eingestellt



Celle (APA/AFP) - Die Generalstaatsanwaltschaft Celle hat ihre Ermittlungen gegen einen 95-jährigen ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS wegen des Verdachts der Beteiligung am Massaker von Babyn Jar (russisch: Babi Jar) eingestellt. Umfangreiche Ermittlungen hätten keine belastbaren Belege dafür ergeben, dass der Mann aus dem Landkreis Osnabrück persönlich vor Ort gewesen sei, teilte die Behörde am Dienstag mit.

Der Beschuldigte gehörte demnach im Zweiten Weltkrieg zu größeren Verbänden der Waffen-SS, von denen eine Kompanie an den berüchtigten Erschießungen von 33.000 Juden bei Kiew in der Ukraine im Spätsommer 1941 beteiligt war. Beweise, dass er zu dieser Teileinheit gehörte, fanden sich nicht. Es mangle an hinreichendem Tatverdacht, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen seien eingestellt worden.

Das Massaker in der Schlucht von Babyn Jar gehört zu den schlimmsten örtlich und zeitlich abgrenzbaren Einzelverbrechen, die NS-Täter während des Zweiten Weltkriegs verübten. An nur zwei Tagen wurden dort die jüdischen Bewohner Kiews nacheinander in Gruppen erschossen.

Ausgeführt wurde die Massenmordaktion vom sogenannten Sonderkommando 4a, das sich aus Angehörigen der NS-Geheimdienste, Mitgliedern der Waffen-SS und normalen Polizisten zusammensetzte. Auch ukrainische Kollaborateure waren beteiligt. Die Wehrmacht leistete logistische Unterstützung. Das Sonderkommando 4a gehörte zu den berüchtigten Einsatzgruppen, die nach dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion massenhaft mordeten.

Nach Angaben der Celler Generalstaatsanwaltschaft gehen allein auf das Konto der Angehörigen des Sonderkommandos rund 80.000 Morde. Die NS-Einsatzgruppen erschossen nach Schätzungen in der Sowjetunion insgesamt viele hunderttausend bis hin zu weit mehr als eine Million Menschen, vor allem Juden. Genaue Zahlen sind unbekannt. Dieser Teil des Holocausts wird in der Öffentlichkeit vielfach nur wenig beachtet.




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