Letztes Update am Di, 15.01.2019 14:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA und Türkei erörterten Sicherheitszone in Nordsyrien



Ankara/Washington (APA/Reuters/AFP) - Die von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene „Sicherheitszone“ in Nordsyrien soll nach den Worten des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan von der Türkei umgesetzt werden. Dies sei bei einem „extrem positiven“ Telefonat mit Trump vereinbart worden, sagte Erdogan am Dienstag vor Abgeordneten seiner Partei in Ankara.

Die Schaffung der 30 Kilometer breiten „Sicherheitszone“ an der türkischen Grenze sei eine Vereinbarung von „historischer Bedeutung“. Erdogan sagte nach der Rede vor Journalisten, die Schaffung der „Sicherheitszone“ könne zusammen mit der internationalen Anti-IS-Koalition erfolgen, der auch die Türkei angehört.

„Wenn die Koalition, insbesondere die USA, uns logistische und materielle Unterstützung stellt, können wir eine solche Sicherheitszone umsetzen“, sagte Erdogan und fügte hinzu, die Zone könnte auch über 30 Kilometer hinaus ausgedehnt werden. Eine 30 Kilometer breite „Sicherheitszone“ an der Grenze würde Städte wie Kobane, Tal Abjad und Qamishli umfassen, und den Rückzug der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) aus einem Gebiet von mehr als 12.000 Quadratkilometern erfordern.

Trump hatte am Sonntag eine „Sicherheitszone“ von 20 Meilen (rund 30 Kilometer) ins Gespräch gebracht, sich aber weder dazu geäußert, wo sie geschaffen, noch von wem sie durchgesetzt werden sollte. Die türkische Regierung zeigte sich am Montag offen für Trumps Vorschlag, reagierte jedoch empört auf dessen Drohung, die USA würden „die Türkei wirtschaftlich zerstören, wenn sie die Kurden attackiert“.

Am Montagabend dann telefonierte Erdogan mit Trump, wobei sie nach Angaben aus Ankara über eine „vom Terrorismus befreite“ Zone sprachen. Außerdem hätten sie vereinbart, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu „vertiefen“. Aus dem Weißen Haus hieß es, Trump habe zugesichert, die Sicherheitsbedenken der Türkei zu berücksichtigen. Zugleich habe er aber betont, dass die Sicherheit der US-Verbündeten in Syrien gewährleistet werden müsse.

Laut US-Außenminister Mike Pompeo soll die geplante „Sicherheitszone“ sowohl die Türkei als auch die mit den USA verbündeten YPG schützen, die große Gebiete im Nordosten Syriens kontrollieren. Die Türkei fordert schon seit Jahren die Schaffung einer solchen Zone an ihrer Grenze, doch war sie damit bei Trumps Vorgänger Barack Obama auf Ablehnung gestoßen.

Der Umgang mit der YPG sorgt seit Jahren für heftigen Streit zwischen den USA und der Türkei. Ankara sieht die syrische Kurdenmiliz als Bedrohung, weil sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Die USA unterstützen die YPG jedoch mit Waffen und Luftangriffen im Kampf gegen die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien.

Die Türkei ist bereits mehrfach gegen die YPG vorgegangen, und Erdogan droht seit Mitte Dezember immer wieder mit einer neuen Offensive. Kurz vor Weihnachten kündigte Trump dann überraschend an, alle US-Truppen aus Syrien abzuziehen, da die IS-Miliz besiegt sei, relativierte dies aber inzwischen wieder. Sein Sicherheitsberater John Bolton machte einen US-Abzug unter anderem von Garantien der Türkei für die Sicherheit der YPG abhängig.

Die Türkei zog in den vergangenen Wochen zahlreiche Truppen an der Grenze zusammen, erklärte jedoch, mit einer Offensive auf den Abzug der US-Truppen warten zu wollen. Die regierungsnahe Zeitung „Daily Sabah“ berichtete am Dienstag, dass erneut Militärkonvois in der Region angekommen seien.

Erdogan kündigte des Weiteren an, sich höchstwahrscheinlich noch im Jänner mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen. Russland ist als Verbündeter des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad von entscheidender Bedeutung bei der Neuordnung Syriens.

Unterdessen ist der neue UNO-Vermittler Geir Pedersen zu seinem ersten Syrien-Besuch seit Amtsantritt in Damaskus eingetroffen. Er wolle sich mit Außenminister Walid al-Muallim treffen, hieß es aus UNO-Kreisen. Unklar war zunächst, ob Pedersen auch Syriens Machthaber Bashar al-Assad treffen wird. Die syrische Regierung zeigte sich im Vorfeld von Pedersens Besuch offen, mit ihm zu kooperieren.

Abseits des weltpolitischen Parketts leidet die syrische Bevölkerung an den Auswirkungen des Konflikts. Eisige Temperaturen und harte Lebensbedingungen gefährdeten immer mehr das Leben von Kindern, erklärte das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF am Dienstag. Mindestens 15 kleine Kinder seien an deren Folgen gestorben, sieben davon im Osten Syriens.

In der Region kämpfen die mit den USA verbündeten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Rund 10.000 Menschen sind laut UNICEF vor heftiger Gewalt auf der Flucht. Familien müssten ohne Schutz und grundlegende Versorgung über Tage in der Kälte ausharren.

Im Flüchtlingslager Rukban im Südwesten des Landes nahe der Grenze zu Jordanien sind demnach acht Kinder ums Leben gekommen. Das jüngste Opfer sei nur eine Stunde alt gewesen, hieß es. In Rukban leben der Hilfsorganisation zufolge rund 45.000 Menschen abgeschnitten von der Welt in einem von Rebellen kontrollierten Wüstengebiet. Vor allem fehle es dort an medizinischer Versorgung für gebärende Frauen und Neugeborene, teilte UNICEF mit. Hilfstransporte kämen wegen Streitigkeiten mit der syrischen Regierung kaum in das Flüchtlingslager. Jordanien habe nach einem Anschlag seine Grenze geschlossen.

~ WEB http://www.un.org/en/

www.unicef.org ~ APA368 2019-01-15/14:12




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