Letztes Update am Di, 15.01.2019 16:17

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brüssel-Anschläge - Verteidigung fordert Freispruch



Brüssel (APA/AFP) - Die Verteidiger des mutmaßlichen Angreifers auf das Jüdische Museum in Brüssel haben einen Freispruch für ihren Mandanten gefordert. „Mehdi Nemmouche ist nicht der Mörder“, sagte Henri Laquay, einer von drei Anwälten des Hauptverdächtigen, am Dienstag vor dem Brüsseler Schwurgericht.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage eine lebenslange Haftstrafe wegen „terroristischen Mordes“ für Nemmouche und seinen mutmaßlichen Komplizen Nacer Bendrer gefordert.

Der 33-jährige Nemmouche soll am 24. Mai 2014 in der Eingangshalle des Museums im Zentrum der belgischen Hauptstadt vier Menschen getötet haben: Zwei israelische Touristen, eine französische Freiwillige und ein belgischer Museumsangestellter starben durch Schüsse aus einem Revolver und einem Sturmgewehr. Dem 30-jährigen Bendrer wird vorgeworfen, die Waffen beschafft zu haben.

Die Angeklagten - beide französische Staatsbürger - widersprachen bei ihrer ersten Anhörung vor den belgischen Geschworenen am Dienstag in diesen Punkten der Anklage. Nemmouche kündigte an, sich zunächst nicht mehr äußern zu wollen. Während der Ermittlungen hatte er eingestanden, bei dem Angriff eine Rolle gespielt zu haben, aber darauf beharrt, nicht der Schütze gewesen zu sein.

Seine Verteidiger begründeten ihre Forderung nach einem Freispruch unter anderem damit, dass auf der Klinke der Eingangstür des Museums keine DNA-Spuren Nemmouches gefunden worden seien. Auf Videoaufnahmen der Überwachungskameras sei jedoch zu sehen, wie der Todesschütze die Klinke berühre. Nemmouche habe die Tür nicht geöffnet, „er ist also nicht der Mörder“, folgerte der Anwalt.

Virginie Taelman, eine weitere Verteidigerin des Hauptangeklagten, brachte eine Verstrickung des israelischen Geheimdienstes Mossad ins Spiel: Zahlreiche Ungereimtheiten wiesen darauf hin, dass es sich bei dem Angriff nicht um ein jihadistisches Attentat, sondern um „eine gezielte Hinrichtung von Mossad-Agenten“ handle, sagte Taelman ohne dies näher auszuführen.

Bei einer Anhörung im Dezember hatten die Verteidiger bereits angekündigt, dass durch den Prozess die Unschuld ihres Mandaten anerkannt werden könnte. Nach Ansicht der Zivilkläger sind die materiellen Beweise gegen den Hauptverdächtigen allerdings „vernichtend“. Im Laufe des Verfahrens sollen über 100 Zeugen angehört werden. Ein Urteil könnte Ende Februar oder Anfang März fallen.

Nemmouche steht daneben auch in Frankreich unter Anklage. Er soll vor der Attacke in Brüssel an der Seite islamistischer Extremisten in Syrien gekämpft haben. Ende 2017 wurde er im Fall der Geiselnahme von vier französischen Journalisten in Syrien angeklagt. Drei der Journalisten gaben an, Nemmouche als Gefängniswächter und Folterer der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ identifiziert zu haben.




Kommentieren