Letztes Update am Di, 15.01.2019 18:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verdächtiger im Fall von entführtem Mädchen in USA geständig



Madison (Wisconsin) (APA/AFP) - Im Fall des nach Ermordung seiner Eltern fast drei Monate lang in den USA verschwundenen und dann lebend wieder aufgetauchten Mädchens hat der Tatverdächtige das Verbrechen gestanden. Wie aus einem am Montag bei Gericht im Bundesstaat Wisconsin eingereichten Dokument hervorgeht, bekannte sich der 21-jährige Arbeitslose des Doppelmordes sowie der Entführung der 13-Jährigen schuldig.

„Ich habe es getan“, sagte der Mann dem Schriftstück zufolge bei seiner Festnahme am vergangenen Donnerstag. Am Montag wurde er per Videoleitung aus seiner Zelle zu einem Gerichtstermin zugeschaltet. Dabei nahm er äußerlich emotionslos zur Kenntnis, dass er formell wegen zweifachen Mordes und Entführung beschuldigt wurde.

Die Eltern des Mädchens waren im Oktober im Haus der Familie in Wisconsin erschossen aufgefunden worden. Die Tochter war verschwunden. Am Donnerstag konnte die 13-Jährige dann aus einer Waldhütte im Dorf Gordon nahe des Lake Superior (Oberer See) flüchten, wo sie ihr Entführer gefangen gehalten hatte. Sie sprach eine Nachbarin auf der Straße an und wurde von der Polizei in Obhut genommen. Der Verdächtige wurde wenige Minuten danach gefasst.

Bei seinem Überfall auf das 120 Kilometer von Gordon entfernte Haus der Familie hatte es der 21-Jährige nach seinen eigenen Schilderungen gezielt auf das Mädchen abgesehen. Er war demnach erstmals auf die junge Frau aufmerksam geworden, nachdem er sie beim Besteigen eines Schulbusses gesehen hatte.

Seine Tat bereitete der Mann den Ermittlern zufolge sorgfältig vor. Zur Tarnung seiner Identität rasierte er sich das Gesicht und die Haare und zog eine Sturmhaube an.

Nachdem er laut dem Dokument zwei Mal unverrichteter Dinge von dem Haus der Familie abgedreht war, weil dort zu viele Autos und Leute waren, erschoss er dann am 15. Oktober durch ein Fenster den Vater. Drinnen fand er Mutter und Tochter im Badezimmer versteckt. Der Täter fesselte den Angaben zufolge das Mädchen mit Klebeband und erschoss die Mutter. Dann steckte er die 13-Jährige in den Kofferraum und fuhr davon.

Während seiner Flucht kamen der Mann die Polizeiwagen entgegen, die zum Tatort fuhren. Die Mutter hatte vor ihrem Tod den Notruf angerufen. Der Mann hatte nach eigenen Aussagen von vornherein vor, in dem Haus keine Überlebenden zu hinterlassen, damit es keine Augenzeugen gab. Als Tatwaffe benutzte er demnach ein Gewehr, das von seinem Vater stammte.

Während der Gefangenschaft sperrte der Täter das Mädchen dem Dokument zufolge immer wieder unter seinem Bett ein, wenn er die Hütte verließ oder Besuch hatte. Dazu stellte er die Unterseite des Möbelstücks mit Taschen und Wäschekörben zu, die er mit Gewichten beschwerte.

Manchmal musste die 13-Jährige demnach bis zu zwölf Stunden unter dem Bett bleiben, ohne Wasser und Nahrung zu erhalten oder auf die Toilette zu dürfen. Am vergangenen Donnerstag gelang es ihr dann, die Hindernisse beiseite zu räumen und zu flüchten. Unklar ist weiterhin, ob der Entführer und Mörder sich möglicherweise sexuell an dem Mädchen verging.




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