Letztes Update am Di, 15.01.2019 21:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brexit - DIHK-Chef: Firmen auf ungeregelten Brexit vorbereiten



Berlin (APA/AFP/dpa) - DIHK-Präsident Eric Schweitzer hat die deutschen Unternehmen aufgefordert, sich auf einen ungeregelten Brexit vorzubereiten. „Ohne Abkommen droht der Brexit völlig ungeregelt abzulaufen“, warnte Schweitzer am Dienstag nach der Ablehnung der Brexit-Vereinbarung durch das britische Unterhaus. Die Unternehmen hätten keine Planungssicherheit.

„Zusätzlich würden jährlich Millionen von Zollanmeldungen und Milliarden Euro an Zöllen fällig. Aus den Brexit-Negativszenarien würde dann leider bittere Realität.“ Der DIHK-Präsident riet den Unternehmen, sich jetzt verstärkt vorzubereiten. „Denn für die deutschen Unternehmen steht einiges auf dem Spiel. Immerhin ist Großbritannien noch unser fünftwichtigster Handelspartner, das Handelsvolumen beträgt 122 Milliarden Euro.“

Eine Verlängerung der Brexit-Gespräche zwischen London und der EU lehnte Schweitzer ab: „Eine kurze Verschiebung des EU-Austritts von Großbritannien um einige Wochen, über die derzeit teilweise spekuliert wird, würde die Unklarheit wohl nur aufschieben. Letztendlich bliebe der gordische Brexit-Knoten weiter ungelöst.“

Ifo-Präsident Clemens Fuest forderte dagegen Großbritannien und die EU auf, die Verhandlungen zu einem Brexit-Abkommen wieder aufzunehmen. „Ein harter Brexit mit seinen riesigen Kosten muss vermieden werden“, sagte Fuest nach der Ablehnung des Brexit-Abkommens durch das britische Parlament am Dienstagabend. Beide Seiten sollten nun an den Verhandlungstisch zurückkehren und das Abkommen so anpassen, dass es für beide Seiten akzeptabel ist. „Alles andere wäre ein nicht akzeptables Politikversagen.“

Der Ifo-Forscher Gabriel Felbermayr bezeichnete die Ablehnung des Brexit-Deals durch das Unterhauses als verständlich. „Das Nein der britischen Abgeordneten zum Trennungsabkommen ist absolut nachvollziehbar, weil es das Vereinigte Königreich auf den Status einer Handelskolonie herabstufen würde“.

Das britische Parlament lehnte das mit der EU ausgehandelte Brexit-Abkommen zuvor mit deutlicher Mehrheit ab: 432 Abgeordnete stimmten am Dienstagabend gegen den Austrittsvertrag, 202 votierten dafür. Premierministerin Theresa May hatte kurz zuvor in einer Rede im Unterhaus noch einmal für das Abkommen geworben.




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