Letztes Update am Mi, 16.01.2019 06:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Punk-Biss und Pop-Brillanz: Joe Jackson zelebriert Doppeljubiläum



Berlin (APA/dpa) - Langzeitfans von Joe Jackson können aufatmen: Die manchmal nervige Wichtigtuer-Phase des Sängers, Songwriters und Pianisten ist vorbei - nun macht er wieder „nur“ richtig tolle Popmusik, die an seine Großtaten der 70er und 80er Jahre anknüpft. Das neue Album „Fool“ präsentiert einen Musiker, der juvenile Frische und gediegene Reife kongenial verbindet.

Wenn der Brite Jackson jetzt auf den größten englischen Dichter anspielt wie im quirligen Titelsong, dann tut er das augenzwinkernd und ohne sich allzu ernst zu nehmen: „Achtung: Könnte Spuren von ‚Was Ihr wollt‘ und ‚King Lear‘ enthalten“, heißt es im Textblatt. „Ich habe hier ein wenig Shakespeare zitiert“, räumt Jackson im Deutschlandfunk-Interview ein. „Ich wollte das nicht zu offensichtlich machen. Man weiß ja nie. Manche Leute könnten darauf allergisch reagieren.“ Denn eigentlich sei „Fool“ ein Lied über den Humor.

Apropos allergisch: So reagierten viele Verehrer, als der 1954 in Burton-upon-Trent geborene Jackson nach einer wilden Punk- und New-Wave-Frühphase (mit den Alben „Look Sharp“, „I‘m The Man“, „Beat Crazy“) allzu sehr in Eitelkeit und Publikumsbeschimpfung abglitt. Konzerte mit den Songs seiner grandiosen Jazzpop- und Latin-Platten „Night And Day“ (1982) und „Body And Soul“ (1984) konnten eine anstrengende Sache sein. Später komponierte Jackson für „Night Music“ (1994) und „Symphony No. 1“ (1999) gar klassisch inspirierte Musik - der Karriere tat es nicht gut.

Seine künstlerische Erholung - eine kreative Frischzellenkur, die sich zuletzt schon mit den Vorgängern „Rain“ (2008) und „Fast Forward“ (2015) sowie sehr sympathischen Live-Auftritten andeutete - setzt Joe Jackson nun auf „Fool“ fort. 40 Jahre nach seinem Start, mit dem nunmehr 20. Studioalbum, hat sich der längst weißhaarige 64-Jährige viel vorgenommen.

Und er liefert umgehend. Der Opener „Big Black Cloud“, mit mächtigen Piano-Riffs, eingängiger Melodie und mitreißendem Refrain, ist ein Start nach Maß. „No luck no money no sex no fun“ singt Jackson da mit immer noch aufmüpfiger Stimme, und obwohl diese Zeile aus dem Punk-Handbuch der 70er entnommen sein könnte, zieht der Song den Hörer nicht herunter.

Das anschließende „Fabulously Absolute“ mit einer schrillen Keyboard-Fanfare ist der nächste Volltreffer. Für „Dave“ wendet sich Jackson dem für ihn so typischen perlenden Piano-Pop zu und erinnert an große britische Vorbilder wie The Kinks oder Small Faces. „Strange Land“ berührt als majestätische Klavierballade, „Friend Better“ groovt so lässig wie in seligen Britpop-Zeiten der Sixties, das orchestrale „Alchemy“ ist einer der stärksten Jackson-Songs seit dem Welthit „Steppin‘ Out“.

Überhaupt ist „Fool“ wohl eine der vielseitigsten Platten in dieser langen, gewundenen Karriere - wie eine Best-of-Sammlung mit lauter neuen Stücken. Mögliche Retro-Vorwürfe nimmt Jackson dafür gern in Kauf: „Ich mag den Gedanken, dass das Album wie eine Reise wirkt, vom ersten bis zum letzten Song.“

Auf eine Reise durch 40 Jahre seiner persönlichen Musikgeschichte will er die Fans auch bei der im Februar beginnenden „Four Decade Tour“ mitnehmen. „Ich kann es kaum erwarten. Let‘s party!“, zitiert sein Label den Musiker. Schlechte Laune und überhebliche Blasiertheit - das war einmal. Nach dem Zeit- und Stilgenossen Elvis Costello mit dem herausragenden Album „Look Now“ (2018) meldet sich nun also auch Joe Jackson in Topform zurück.

(S E R V I C E - http://joejackson.com)




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