Letztes Update am Mi, 16.01.2019 08:26

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Andrea Clausen wird 60 und feiert in „Die Ratten“ ihr Burg-Comeback



Wien (APA) - Andrea Clausen hat derzeit zwei gute Gründe, sich zu freuen: Morgen, Donnerstag (17. Jänner), feiert die in Wien lebende deutsche Schauspielerin ihren 60. Geburtstag. Und am Montag starten die Proben zu Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“. Die Inszenierung von Andrea Breth, die am 27. März Premiere hat, wird nach einer längeren Krankheitspause ihr Comeback auf der Bühne des Burgtheaters.

„Ich war lange krank und freue mich, wieder Theater zu spielen“, sagt Clausen im Gespräch mit der APA. Die Rolle selbst gibt allerdings nicht gerade zur Freude Anlass: In Hauptmanns 1910 entstandenem Drama spielt sie Sidonie Knobbe. „Sie ist eine morphiumsüchtige Alkoholikerin, die ihre Kinder vernachlässigt und schlägt und auf den Strich geht“, skizziert die Schauspielkünstlerin ihre Aufgabe, auf die sie sich gewissenhaft vorbereitet hat. Schließlich heißt die Regisseurin Andrea Breth.

„Ich kenne sie jetzt 34 Jahre, länger als meinen Mann“, lacht die gebürtige Oldenburgerin, die ihre Schauspielausbildung in Paris und Essen absolvierte, ehe sie in Oldenburg, Köln und Bochum erste Engagements hatte. Mit Breth kam sie im Zuge von ihrer Inszenierung von „Der zerbrochne Krug“ 1990 ans Burgtheater, zu Breth ging sie zwischendurch zwei Jahre an die Berliner Schaubühne. Mit ihr hat sie zahllose herausragende Gestaltungen erarbeitet, darunter 2003 die Gräfin Orsina in „Emilia Galotti“ und 2005 die Ranjewskaja im „Kirschgarten“, zwei Rollen, für die sie für den Nestroy-Preis nominiert wurde. Eine dritte Nominierung gab es 2001 für ihre Mitwirkung in Luc Bondys „Drei Mal Leben“-Inszenierung. Zu Clausens weiteren Auszeichnungen zählt die 1992 erhaltene Kainz-Medaille für ihre Honey in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“. 2006 wurde sie von einer Hörspiel-Jury zur „Schauspielerin des Jahres“ gewählt.

Wer mit Andrea Breth probiert, für den ist nicht nur der bereits auswendig gelernte Text Ehrensache. „Am besten, man ist gut vorbereitet, kommt mit seinen eigenen Vorstellungen und konfrontiert sich mit ihren.“ In dieser Auseinandersetzung profitiere man in hohem Ausmaß: „Ich lerne bei ihr viel mehr von mir kennen als bei anderen. Es ist immer neu für mich. Es gibt bei ihr keine Wiederholungen, nur Überraschungen.“ Im Jänner 2016 hatte die zarte Schauspielerin als um ihren schon lange entfremdeten Mann kämpfenden Ehefrau in Breths Inszenierung von John Hopkins „Diese Geschichte von Ihnen“ ihre letzte Premiere, musste aber krankheitshalber später ebenso umbesetzt werden wie 2017 noch vor der Salzburger Premiere von Breths Pinter-Interpretation „Die Geburtstagsfeier“.

In „Alles kann passieren! Ein Polittheater“, einer von Doron Rabinovici zusammengestellten Textcollage mit Äußerungen europäischer Rechtspopulisten, war Clausen im November im Akademietheater erstmals wieder auf der Bühne zu sehen. Sie ist froh, dass es von dieser Lesung weitere Termine geben wird (etwa am 31. Jänner). „Ich ärgere mich über die politische Situation - Nein: Ich bin entsetzt! Solche Abende sind wichtig. Man sollte mehr davon machen. Aber auch ‚Die Ratten‘ werden wohl nicht als unpolitisch wahrgenommen werden.“

Wien ist schon lange Clausens zweite Heimat geworden: „Ich lebe sehr gerne hier.“ Auch bei der Sprache hat sie sich ein wenig angepasst: „Ich sage Sackerl und nicht mehr ‚Tüte‘, Erdäpfel statt Kartoffel und auch Semmeln statt ‚Brötchen‘ - obwohl ich gerade dieses Wort sehr mochte.“

Auch wenn sie mit dem neuen Burgtheater-Intendanten Martin Kusej noch nie zusammengearbeitet hat, braucht sich Andrea Clausen um die Verlängerung ihres Vertrages keine Gedanken machen. Als langjähriges Ensemblemitglied ist sie nicht kündbar. Ihre 15-jährigen Zwillinge, die sie mit ihrem Mann, dem österreichischen Grafik-Künstler Helmut Pokornig, hat, werden also weiter in Wien aufwachsen. Clausen stammt aus einer Theaterfamilie. Was, wenn die Töchter ebenfalls zum Theater wollen? „Dann habe ich auch nichts dagegen. Ich schleppe sie aber nicht dauernd ins Theater. Eine der beiden hat ohnedies einen anderen Berufswunsch: Sie will Tierärztin werden.“

(B I L D A V I S O – Zahlreiche Bilder von Andrea Clausen sind im AOM abrufbar.)




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