Letztes Update am Mi, 16.01.2019 11:26

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brexit - IHS-Chef Kocher: Zwei Schritte zurück im Austrittsprozess



Wien (APA) - Das IHS wertet die Ablehnung des Brexit-Deals als Rückschritt. „Das absurde an der aktuellen Situation ist, dass die britische Regierung trotz der Abstimmungsniederlage zum Brexit-Deal wahrscheinlich die Vertrauensabstimmung heute überstehen wird. Damit ist man keinen Schritt weiter, sondern eher zwei Schritte im Austrittsprozess zurückgegangen“, kritisiert IHS-Chef Martin Kocher auf APA-Anfrage.

Für die Wirtschaft sei die Ablehnung des Brexit-Deals zwischen britischer Regierung und EU nicht überraschend gekommen, daher seien die direkten Auswirkungen auf den Pfund-Kurs und andere wirtschaftliche Indikatoren vorerst begrenzt. Aber „jeder Tag der Unsicherheit verursacht sowohl der britischen als auch der resteuropäischen Wirtschaft weiter steigende Kosten“ - ganz zu schweigen von praktischen und menschlichen Problemen, sagte der Chef des Instituts für Höhere Studien.

Sollte es am Ende zum „harten Brexit“, also einem Ausscheiden Großbritanniens ohne Austrittsvertrag kommen, hätte das für die österreichische Wirtschaft „erhebliche Konsequenzen, die sich vor allem auf das langfristige Wachstum negativ auswirken würden. Aber auch kurzfristig würde man einen harten Brexit an einer Verringerung der österreichischen BIP-Wachstumsrate von geschätzten 0.1 bis 0.3 Prozentpunkten makroökonomisch wahrnehmen.“

Kocher rechnet nicht damit, dass die EU den Briten so große Zugeständnisse machen wird, dass der Deal eine Mehrheit im britischen Parlament finden würde. Realistisch seien daher nur mehr ein harter Brexit, die Verschiebung der Entscheidung durch eine Verlängerung der Verhandlungsfrist oder die gänzliche Rücknahme des Austrittsantrags. „Ein Spielen auf Zeit macht aber nur Sinn, wenn es eine klare britische Strategie entweder hinsichtlich weiterer Verhandlungen oder hinsichtlich einer alternativen Entscheidungsfindung im Vereinigten Königreich - zum Beispiel durch eine Volksabstimmung - gibt“, so der Wirtschaftsforscher.




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