Letztes Update am Mi, 16.01.2019 12:26

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Putin: US-Politik auf Balkan ein „wichtiger Destabilisierungsfaktor“



Belgrad/Moskau (APA) - Kurz vor seinem Besuch in Serbien hat der russische Präsident Wladimir Putin die US-Politik auf dem Balkan kritisiert. Die Politik der USA und einiger westlicher Staaten, die auf die Festigung ihrer Vorherrschaft in der Region abziele, stelle einen wichtigen Destabilisierungsfaktor auf dem Balkan dar, so Putin in einem Interview mit der regierungsnahe serbischen Tageszeitung „Politika“ (Mittwoch).

Der russische Staatschef lobte gleichzeitig die militärische Neutralität Serbiens. Moskau würde die stabile Ausrichtung der serbischen Staatsführung auf den Kurs der Wahrung der Neutralität des Landes „hoch schätzen“, sagte er und verwies auf die russischen Waffenlieferungen an Serbien.

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hatte zuvor angekündigt, dass die Kosovo-Frage im Mittelpunkt der politischen Gespräche mit Putin am Donnerstag stehen werde. Zudem ist die Unterzeichnung von 21 bilateralen Abkommen geplant. Am wichtigsten dürfte jenes über die Modernisierung der serbischen Eisenbahnen im Wert von 230 Millionen Euro sein.

Serbische Medien hatten bereits vor Wochen angekündigt, dass Putin seinen serbischen Gastgeber Vucic auch mit dem geschätzten Alexander-Newski-Orden auszeichnen wird. Das bevorstehende Treffen sei bereits das 14. Treffen der beiden Politiker, hieß es am Mittwoch in Medienberichten. Putin hatte Belgrad zuletzt im Oktober 2014 besucht.

Einer der Höhepunkte des eintägigen Besuchs Putins in Serbien soll die Besichtigung der serbisch-orthodoxen Heiligen-Sava-Kirche sein. Seit 2014 finanziert Moskau mit rund zehn Millionen Euro die Anfertigung von Ikonen. Der langwierige Bau der Kirche begann 1930, wurde jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg von den Kommunisten unterbrochen. Fortgesetzt wurden die Arbeiten erst 1985. Für ihre Fertigstellung hatte sich auch der 2003 ermordete serbische Premier Zoran Djindjic eingesetzt und mehrere Spendenaktionen organisiert.

Im aktuellen Streit zwischen der Russischen-Orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel um die Unabhängigkeit der ukrainischen orthodoxen Kirche hatte die serbische Kirche kürzlich unzweideutig für Moskau Partei ergriffen.

Kein Wunder daher, dass eine Großkundgebung von Anhängern Putins und Vucics am Donnerstag vor der Heiligen-Sava-Kirche geplant ist. Offiziell wird sie von mehreren Moskau-freundlichen NGOs organisiert. Laut früheren Medienberichten wurden allerdings auch Parteiorganisationen der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) von Vucic im Landesinneren damit beauftragt, ihre Anhänger nach Belgrad zu bringen.

Dass es auch Kritiker einer zu engen Freundschaft Serbiens mit Russland gibt, dürfte Putin womöglich auf seiner Fahrt vom Belgrader Flughafen ins Stadtzentrum erfahren. Auf einer Autobahnüberführung tauchte am Dienstag ein Spruchband mit der Aufschrift „Serbien ist nicht Russland“ auf. Aufgestellt wurde es von zwei Vojvodina-Parteien.

Guter Geschäfte erfreuen sich unterdessen Straßenverkäufer in der Belgrader Knez-Mihajlo-Strasse, die T-Shirts mit der Abbildung Putins anbieten. Seit Jahren werden dort allerdings auch T-Shirts mit der Abbildung des wegen Völkermordes in Srebrenica verurteilten einstigen bosnisch-serbischen Militärchefs Ratko Mladic angeboten.

Ob der Wunsch von Banstol, einer Ortschaft bei Novi Sad, in Erfüllung gehen wird, Putin in ihrem Dorf begrüßen zu können, war am Mittwoch noch nicht klar. In Banstol wird derzeit eine russisch-orthodoxe Kirche gebaut. Ein Besuch in Putinovo im Süden Serbiens ist mit Gewissheit nicht geplant. Die einst als Adzinci bekannte Ortschaft unweit der Grenze zum Kosovo hatte ihren Namen 2017 zu Ehren des russischen Präsidenten geändert.




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