Letztes Update am Mi, 16.01.2019 16:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Globe-Invest-Prozess - Angeklagter: Waren kurz vor dem großen Gewinn



Wien/Linz (APA) - „Wir waren überzeugt, dass wir kurz vor dem großen Gewinn sind“, sagte Mittwoch am zweiten Verhandlungstag im Strafprozess um die oberösterreichische Finanzanlagefirma Globe Invest einer der Mitangeklagten. Der Hauptangeklagte, Bernhard W., der sich unschuldig bekennt, musste sich gleichzeitig von Staatsanwalt Bernhard Löw vorwerfen lassen, sich mit seinen heutigen Aussagen selbst zu belasten.

Begonnen hat die heutige Tag mit der Einvernahme einer Mitarbeiterin von Globe Invest durch Richterin Claudia Moravec-Loidolt. Der Beschuldigten wird vorgeworfen, Geld ihres ebenfalls bei Globe Invest tätigen Mannes auf ihr Konto überwiesen zu haben, damit die Gläubiger ihres Mannes nicht auf das Geld zugreifen können. „Wir haben das Geld einfach zum Leben gebraucht“, sagte die geständige Angeklagte zum Vorwurf der unrechtmäßigen Bereicherung. Der ihr zu Last gelegte Schaden wurde vom Staatsanwalt auf 71.400 Euro reduziert.

Ein weiterer Angeklagter bekannte sich erneut als „nicht schuldig“. „Ich hatte mit der Globe Invest grundsätzlich nichts zu tun“, sagte Peter F., der für die Finanzgruppe als Immobilienentwickler tätig war. Er habe dafür Zahlungen bekommen, die ihm für seine getätigten Leistungen auch zustanden und die er somit auch nicht - wie angeklagt - zurückzahlen müsste.

Dieser Darstellung widersprach allerdings der Hauptangeklagte und auch der Zweitangeklagte Manfred Sch., der von einem Missverständnis sprach. Ihren Aussagen nach habe es sich bei den Überweisungen an den Immobilienentwickler nur um Vorauszahlungen für eine - nur mündlich - vereinbarte Gewinnbeteiligung in Höhe von 10 Prozent gehandelt, die im Zusammenhang mit einem in Rumänien entwickelten Immobilienprojekt stand, dass mit hohem Gewinn veräußert werden hätte sollen.

Dazu ist es allerdings jahrelang nicht gekommen. Die handelnden Personen - in der Globe Invest und die beiden in Rumänien tätigen Immobilienentwickler - waren sich nämlich uneins über die Verkaufsmodalitäten. „Wir waren immer kurz vor dem Verkauf“, sagte der Hauptangeklagte. „Der Verkauf ist gescheitert, weil wir noch mehr herausholen wollten.“

Der Verkauf wurde in der Folge immer wieder hinausgeschoben. Schlussendlich machte der Konkurs der Firma allen einen Strich durch die Rechnung. „Die Konkursanmeldung war ein Fehler von mir“, resümierte der ehemalige Vorstand der Finanzgruppe.

Zu denken, ein mündlicher Vertrag sei gleich viel Wert wie ein schriftlicher, sei nicht gescheit gewesen, meinte der Hauptangeklagte zum Gewinnbeteiligungsthema. Teilweise redete er sich in Widersprüche, als er sagte, dass die Zahlungen an den Immobilienentwickler dessen Arbeitsleistungen abgedeckt hätten, sie somit also doch als Honorar zu sehen gewesen wären. Auch sein eigenes Einkommen sah er zwischendurch nur als Vorauszahlung an bevorstehende Gewinne aus dem geplanten Börsengang der Firma an. Somit hätte er sie auch beim Masseverwalter als ausstehende Forderung anmelden müssen, was er aber nicht getan hatte. „Was sie jetzt gesagt haben, ist ein Teilgeständnis“, erwiderte daraufhin der Staatsanwalt.

Auf die Frage der Richterin, ob es auch Gespräche und Buchungen zur Bilanzschönung gegeben habe, bestätigte dies der Zweitangeklagte. So sei etwa die Rumänien-Beteiligung von einer Tochter in die andere verkauft und aufgewertet worden. Die Aufwertung selbst verteidigte der Angeklagte. Nicht sicher sei er sich, ob es auch Buchungen gegeben habe, die nicht den Tatsachen entsprochen hätten. „Keiner hat sich was Negatives gedacht“, so der Zweitangeklagte. Das Problem der Globe Invest seien nicht die Immobilien gewesen, sondern die Erträge, die nicht optimal gelaufen seien. „Wir hatten ein Liquiditätsproblem, der Wert der Immobilien war da“, so der Zweitangeklagte.

Die Verhandlung wird morgen am Landesgericht Wien ab 9 Uhr fortgesetzt.




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