Letztes Update am Mi, 16.01.2019 16:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tschechien gedachte 50. Jahrestag der Selbstverbrennung Jan Palachs



Prag (APA) - Mit zahlreichen Veranstaltungen hat Tschechien am Mittwoch dem 50. Jahrestag der Selbstverbrennung des Studenten der Philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität, Jan Palach, gedacht. Aus Protest gegen die Niederschlagung der Demokratiebewegung Prager Frühling hatte sich Palach am 16. Jänner 1969 auf dem Wenzelsplatz in Prag mit Benzin übergossen und angezündet. Drei Tage später starb er.

Palach wurde damit zum Symbol des Widerstands gegen das kommunistische Regime. Im Hof der Karls-Universität wurde am Mittwoch eine neue Gedenktafel für Palach enthüllt. Die Tafel mit einer Kantenlänge von 69 Zentimetern (als Erinnerung an das Jahr 1969) und 89 Kilo Gesamtgewicht (als Hinweis auf die Samtrevolution, der Wende in der damaligen Tschechoslowakei 1989) wurde genau an der Stelle im Boden eingelassen, wo Palachs Sarg vor seiner Bestattung am 25. Jänner 1969 aufgebahrt war.

Der Rektor der Karls-Universität, Tomas Zima, bezeichnete Palach in seiner Rede als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der tschechoslowakischen und tschechischen Geschichte und einen wichtigen Kämpfer für die Freiheit und Demokratie. Seine Tat dürfe nie vergessen werden, so Zima.

Auf dem Wenzelsplatz, unweit vom Ort der Selbstverbrennung Palachs, wurde am Mittwoch eine Außenausstellung eröffnet, die dem Leben des Studenten gewidmet ist. Die Ausstellung, die auch Fotos und Zeitungsartikel von Jänner 1969 präsentiert, dauert bis 30. Jänner. Ein Teil der Ausstellung befasst sich auch mit der sogenannten „Palach-Woche“. Es handelt sich um jene Woche vom 15. bis 20. Jänner 1989, in der täglich Demonstrationen gegen das kommunistische Regime anlässlich des 20. Jahrestages des Todes von Palach stattfanden und die brutal von der Polizei niedergeschlagen wurden.

Der Regierungschef Andrej Babis betonte in einer Erklärung am Mittwoch, die Selbstverbrennung von Palach sei „eine der markantesten Taten unserer Geschichte“. Palach habe sich verbrannt, um das Volk gegen die Okkupation durch die Warschauer-Pakt-Truppen aufzurütteln. Er verdient unseren tiefen Respekt“, sagte er gegenüber dem Nachrichtenserver „Novinky.cz“ von Bangkok aus, wo er sich zu einem Besuch aufhielt.

Für den Abend rief das Bündnis „Eine Million Augenblicke für die Demokratie“ zu einer stillen Kundgebung mit Kerzen im Prager Stadtzentrum auf. Die Bewegung gilt als entschiedener Kritiker Babis‘, dessen Regierung von den Kommunisten toleriert wird.




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