Letztes Update am Mi, 16.01.2019 17:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mehrere Tote bei Anschlag in Nordsyrien - US-Soldaten unter Opfern



Damaskus/Washington (APA/dpa/Reuters/AFP) - Bei einem Anschlag auf die von Kurden kontrollierte Stadt Manbij im Norden Syriens sind Aktivisten zufolge mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind nach Angaben des US-Militärs auch amerikanische Soldaten. Die von den USA angeführte internationale Koalition schrieb auf Twitter, bei der Explosion seien Mitglieder des US-Militärs getötet worden. Eine Zahl wurde nicht genannt.

Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (OSDH) starben vier US-Soldaten, zwei davon im Krankenhaus. Nach Angaben der Aktivisten waren unter den mindestens 18 Toten außerdem neun Zivilisten und fünf lokale Sicherheitskräfte. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) reklamierte die Tat über sein Sprachrohr Amaq für sich und sprach von einem Angriff eines Selbstmordattentäters. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, teilte mit, Präsident Donald Trump sei über die Situation unterrichtet worden.

Manbij gehört zu den Gebieten Nordsyriens, die von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG kontrolliert werden. Diese kämpft in Syrien mit Hilfe der Koalition gegen den IS. Die USA haben in der Region rund 2.000 Soldaten stationiert. Auch Frankreich ist mit einem Stützpunkt bei Manbij und insgesamt rund 1.000 Einheiten im Land, dazu kommt eine etwa 1.350 Mann starke britische Truppenpräsenz in der Region. Trump hatte im Dezember den Abzug der US-Truppen bekannt gegeben und damit seine Verbündeten überrascht.

Der US-Rückzug ändert potenziell die Kräfteverhältnisse in der Region. Insbesondere in Israel bestand die Sorge, dass ein US-Abzug dem Iran das Feld in Syrien überlassen würde. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu drohte am Dienstag mit weiteren Angriffen in Syrien, wenn der Iran seine Truppen nicht abziehe. Der Kommandant der iranischen Revolutionsgarden, Mohammed Ali Jafari, betonte am Mittwoch aber, alle iranischen Militärberater würden in Syrien bleiben.

Die Türkei sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat immer wieder mit einer Offensive gegen die YPG gedroht. Schon lange streiten sich die USA und die Türkei über den Umgang mit der Kurdenmiliz.

Washington will eine Konfrontation zwischen beiden Seiten verhindern. Diskutiert wird die Errichtung einer Sicherheitszone in kurdisch kontrolliertem Gebiet in Nordsyrien. Der Vorschlag der USA und der Türkei stößt aber auf Widerstand. Zugleich ist noch unklar, wie die mögliche Umsetzung einer solchen Zone konkret aussehen könnte. Erdogan will, dass sein Land die Zone mit finanzieller und logistischer Unterstützung der USA umsetzt. Syriens Kurden lehnen eine solche von der Türkei kontrollierte Zone ab.

Dabei würde es sich um eine neue türkische „Invasion“ handeln, sagte am Mittwoch Sihanok Dibo, führendes Mitglied der PYD (Partei der Demokratischen Union), dem politischen Arm der von der YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Vorstellbar sei allenfalls eine Sicherheitszone unter Kontrolle der UNO, die vom Sicherheitsrat beschlossen sein müsste.

Nach Ansicht der russischen Regierung soll in Nordsyrien nach einem Abzug der US-Truppen Damaskus die Kontrolle übernehmen. Die Frage einer Pufferzone könne nur in einem solchen Zusammenhang stehen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch. „Das ultimative Ziel besteht darin, die Souveränität und territoriale Integrität Syriens wiederherzustellen.“ Moskau unterstützt den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad.

Auch Syriens Regierung lehnte die Sicherheitszone ab. Das Außenministerium in Damaskus bezeichnete das „türkische Regime“ als „Schutzherr der Terroristen“, das nur mit der „Sprache der Besatzung und der Aggression“ spreche. Die Situation in Syrien wird nach Angaben Lawrows in der kommenden Woche Thema bei Gesprächen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Erdogan sein.

Manbij würde laut Anadolu außerhalb der „Sicherheitszone“ liegen. Allerdings will die Türkei, dass die YPG aus der Stadt abzieht. In einer von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu veröffentlichten Karte beginnt die Sicherheitszone an der von pro-türkischen Rebellen kontrollierten Grenzstadt Jarabulus und zieht sich bis zur irakischen Grenze. Sie wäre demnach 460 Kilometer lang und 32 Kilometer breit. Das würde auch wichtige Städte der syrischen Kurden wie Kobane und Amuda einschließen. Die Stadt Qamishli, in der auch syrische Regierungstruppen stationiert sind, soll von der Zone ausgenommen werden.

Ein Erdogan-Sprecher nannte als Vorbild das von der türkischen Armee und ihren syrischen Verbündeten kontrollierte Gebiet im Nordwesten Syriens. Ankaras Truppen und syrische Rebellen hatten dort die Region um die Stadt Afrin vor rund einem Jahr von der YPG erobert. In einem wissenschaftlichen Gutachten des Deutschen Bundestages hieß es im vergangenen Jahr, die türkische Präsenz in Afrin erfülle „völkerrechtlich alle Kriterien einer militärischen Besatzung“.




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