Letztes Update am Mi, 16.01.2019 19:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tausende bei Schweigemarsch in Belgrad für ermordeten Politiker



Belgrad (APA/dpa) - Tausende Menschen haben am Mittwochabend in Belgrad an einem Schweigemarsch zum Gedenken an den vor genau einem Jahr ermordeten kosovo-serbischen Oppositionspolitiker Oliver Ivanovic teilgenommen. Die Demonstranten zeigten Transparente mit Aufschriften wie „Wir sind noch mehr“.

Der Schauspieler Branislav Trifunovic sagte in seiner kurzen Ansprache: „Nach einem Jahr wissen wir immer noch nicht, wer Oliver Ivanovic getötet hat.“ Es sei aber ein politischer Mord gewesen, fügte er hinzu.

Ivanovic war Gründer und Präsident der Bürgeriniatative „Freiheit, Demokratie, Recht“ in der serbischen Enklave Kosovska Mitrovica im Norden des Kosovos. Er lag in Konflikt mit der örtlichen kosovo-serbischen Führung und deren Hintermännern in der lokalen Mafia sowie mit der Belgrader Regierung. Am 16. Jänner 2018 erschoss ihn ein unbekannter Täter auf offener Straße vor seinem Büro.

Zu dem Gedenkmarsch hatte die Protestbewegung gegen den serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic aufgerufen. Diese demonstriert seit sechs Wochen an jedem Samstag, um gegen die Gewalt zu protestieren, die ihrer Ansicht nach von der Vucic-Regierung ausgeht.

Das Kosovo ist heute nahezu ausschließlich von Albanern bewohnt. 2008 erklärte es sich für unabhängig. Serbien hat diesen Schritt nie anerkannt. Von den rund 100 000 Serben im Kosovo lebt etwa ein Drittel in Kosovska Mitrovica. Die Enklave wird weitgehend von lokalen Serben mit Belgrader Rückendeckung kontrolliert und gilt bis zu einem gewissen Grad als gesetzlos.




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