Letztes Update am Do, 17.01.2019 11:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Energiehandel will Ölheizungen mit CO2-neutralem Öl Zukunft sichern



Wien (APA) - Nicht die Ölheizung ist das Problem, sondern das fossile Öl, das darin verbrannt wird. Mit diesem Argument startet der Fachverband Energiehandel Tests mit einem „Grünen“, also CO2-neutralen Öl, das aus Abfällen gewonnen wird. In seiner eigenen Heizung funktioniere das Produkt schon seit über einem Monat klaglos, sagte Jürgen Roth, Obmann des Fachverbands in der WKÖ, im Gespräch mit der APA.

Würde man das „HVO“ genannte Produkt flächendeckend einführen, dann müsste man die vorhandenen Ölheizungen nicht ersetzen, und könnte sie CO2-neutral weiterbetreiben. Das würde Umrüstungskosten von 20 Mrd. Euro für den Umstieg auf andere Heizanlagen ersparen, rechnet Roth vor.

HVO steht für „Hydrotreated Vegetable Oil“, das sind in Großanlagen aus einer Vielzahl an Ölen, Fetten und Reststoffen hergestellte Kohlenwasserstoffe. Bisherige Studien zeigen, dass HVO den geforderten Grenzwerten für Heizöl EL schwefelarm entsprechen und bei den Emissionen deutlich unter den vorgeschriebenen Grenzwerten liegen. HVO wird bisher nur als Beimischung zum Treibstoff für Autos verwendet. „In einer Heizung hat das noch niemand getestet. Wir sind die ersten“, sagt Roth.

In Österreich wurden pro Jahr zuletzt rund 800.000 t Heizöl für die Raumwärme verheizt. Etwa die gleiche Menge HVO würde Österreich brauchen, um das ganze Heizöl zu ersetzen. Noch liegt die weltweite Produktion bei 5 Mio. t, zwei Firmen zeichnen dafür verantwortlich. Der Preis liegt im Schnitt etwas höher als Heizöl inklusive Steuerbelastung. Aber Preise sowohl für Erdöl als auch für synthetische Produkte ändern sich laufend, erinnert Roth daran, dass immer wieder vor steigenden Ölpreisen gewarnt wird.

Der Fachhandel teste nun auf eigene Kosten bei einigen hundert Haushalten und Gewerbebetrieben, ob HVO unter unterschiedlichsten Bedingungen, vom alpinen Raum bis zur Industrie, klaglos funktioniert. Parallel dazu will Roth mit der Landwirtschaft, mit dem Ministerium aber auch mit Forschungseinrichtungen verhandeln. Er will Bewusstsein für das neue Produkt schaffen, aber auch mögliche Förderungen ausloten. Denn mit HVO könne der Energiehandel den Ruf als „böse und fossil“ abschütteln und endlich auch Förderungen beanspruchen, die bisher für alternative Energieträger gewährt wurden, hofft Roth.

Ziel ist es, eine Produktion in Österreich aufzubauen, die potenziell „einen beträchtlichen“ Teil des Heizölbedarfs decken könnte. Vor allem, wenn die Heizungen auf die modernsten Variante umgestellt werden. Bis 2025 könnte die Einführung gelingen, hofft Roth.

Wobei HVO, das aus Abfällen gewonnen wird und in der Menge daher grundsätzlich beschränkt ist, langfristig nicht den Weltbedarf an Heizöl und womöglich auch Diesel decken kann. Um im großen Stil „Grünes Öl“ zu gewinnen, wird an verschiedensten Verfahren geforscht, um synthetische Biobrennstoffe unter Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energieträgern herzustellen. Diese sind aber erst im Stadium von Pilot- und Demonstrationsprojekten, während HVO bereits am Markt ist.




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