Letztes Update am Do, 17.01.2019 12:53

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arno Kompatscher - Der Pragmatiker dreht die zweite Runde



Bozen (APA) - Kompatscher, die Zweite. Der frisch wiedergewählte Südtiroler Landeshauptmann startet in seine zweite, fünf Jahre dauernde Amtsperiode. Der pragmatische Manager der Macht an der Spitze der autonomen Provinz geht daran, eine Ära zu begründen. Ob er nun befreiter aufspielt und noch mehr mit dem Amt verwächst, bleibt abzuwarten. Die Koalition mit der Lega birgt ein politisches Spannungselement.

Die erste Wahl des studierten Juristen vor fünf Jahren hatte in Südtirol noch so eine Art politischen Kulturbruch dargestellt. Vor der Landtagswahl war der Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Völs am Schlern und Präsident des Südtiroler Gemeindeverbandes als Nachfolger von Langzeitlandeshauptmann Luis Durnwalder auf das Schild gehoben worden. „Der Luis“, ein politisches Original sowie leutseliger Instinkt- und Machtpolitiker wie er im Buche stand, hatte das Land 25 Jahre lang regiert. Mehr als eine Generation an jungen Südtirolern kannte gar keinen anderen Landeshauptmann als den bulligen Macher Durnwalder.

„Der Neue“ war so ganz anders, eine Art „Anti-Luis“. Der Prototyp eines Politikers seiner Zeit - ein smarter Manager der Macht, kein fürsorglich-herrschaftlicher Landesvater. Die politische Neuzeit war in Südtirol angekommen.

Zudem startete Kompatscher mit einer Hypothek in seine erste Amtsperiode, hatte er doch als Spitzenkandidat der Sammelpartei eine Niederlage eingefahren. Man verlor 2,4 Prozentpunkte und rutschte auf 45,7 Prozent ab. Erstmals seit 1948 war die absolute Mandatsmehrheit perdu.

Kompatscher verschaffte sich Respekt während der ersten fünf Jahre. Er regierte auf seine Art - unaufgeregt, bedächtig, der Marktschreierei abhold, konsensorientiert. Authentisch.

Ein Amtsbonus, der als Trägerrakete für einen glänzenden Wahlsieg taugte, wollte sich jedoch nicht einstellen. 41,9 Prozent fuhr die SVP ein. Wieder keine absolute Mehrheit. Ein Ergebnis, weder Fisch noch Fleisch. Ein Tiefstand in der Parteigeschichte, doch noch gut genug, um nicht als Desaster eingestuft zu werden.

Hinzu kam erschwerend: Die Lega triumphierte im Sog Matteo Salvinis und konnte den Vertretungsanspruch für die italienische Sprachgruppe für sich reklamieren. Eine Koalition aus SVP und Lega schien naheliegend, obwohl die Südtiroler Volkspartei mit Grünen und Partito Democratico (PD) theoretisch eine zweite Option gehabt hätte.

Kompatscher blieb Pragmatiker: Obwohl ihm eine Zusammenarbeit mit der Lega wohl alles andere als behagte, fügte er sich in das Unabwendbare. Andere wie der ehrgeizige Parteichef Philipp Achammer hatten da von Anfang an schon viel weniger Berührungsängste.

Die Koalitionsbildung war eine schwere Geburt. Der Streit um die Südtiroler Sitze im italienischen Senat ließ den Landeshauptmann sogar kurz die Verhandlungen stoppen. Es wird ein Drahtseilakt, auch weil Salvini künftig über seinen Ableger in Südtirol wohl kräftig mitmischen wird.

Und so startet Kompatscher auch ein bisschen ins Ungewisse. Ob er in fünf Jahren wieder antritt, lässt er offen. Der Pragmatiker fährt auf Sicht.

Arno Kompatscher wurde am 19. März 1971 in Völs am Schlern als jüngstes von fünf Kindern geboren. Sein Vater war Dorfschmied und später Bürgermeister der Gemeinde. Nach Volksschule, Gymnasium und Militärdienst studierte er Rechtswissenschaften in Innsbruck und Padua. Beruflich war Kompatscher unter anderem als Geschäftsführer der Seiser Alm Umlaufbahn AG tätig, von 2005 bis 2013 bekleidete er ebenfalls das Bürgermeisteramt in Völs am Schlern. Politisch trat er zudem als Präsident des Südtiroler Gemeindeverbandes in Erscheinung. Seit 2014 ist er Landeshauptmann. Kompatscher und seine Frau Nadja haben sieben Kinder.




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