Letztes Update am Do, 17.01.2019 13:11

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Initiative Landarzt“ in Niederösterreich greift für NEOS ins Leere



St. Pölten (APA) - Die Anfang 2018 ins Leben gerufene „Initiative Landarzt“ in Niederösterreich greift für die NEOS ins Leere. Dass ein Pool von Ärzten aus den Landeskliniken einspringt, wenn Kassenordinationen längere Zeit nicht besetzt sind, führe nicht zum Ziel, betonte Gesundheitssprecherin LAbg. Edith Kollermann am Donnerstag. Die VP Niederösterreich verwies auf weitere umfangreiche Zukunftspläne.

Aktuell sind laut Daten der Ärztekammer für Niederösterreich 15 Kassenordinationen im Bundesland unbesetzt, sechs davon seit mehr als zwölf Monaten - laut Plan soll hier die „Initiative Landarzt“ zum Tragen kommen. Mediziner aus den Landeskliniken sollen die Versorgung vorübergehend sicherstellen. Funktioniert hat dies bisher in Gresten (Bezirk Scheibbs). Nach Angaben von VP NÖ-Gesundheitssprecher Franz Dinhobl laufen derzeit Gespräche in Aspangberg-St. Peter (Bezirk Neunkirchen), Groß-Siegharts (Bezirk Waidhofen an der Thaya), Laa an der Thaya (Bezirk Mistelbach), Litschau und Großdietmanns (beide Bezirk Gmünd).

Für Kollermann ignoriert die VP „das Problem und schaut weg“. Eine Lösung für den Mangel an Allgemeinmedizinern in ländlichen Regionen werde es mit der „Initiative Landarzt“ nicht geben, sagte sie bei einer Pressekonferenz. In den nächsten zehn Jahren würde rund die Hälfte aller niedergelassenen Ärzte mit Kassenvertrag das Pensionsalter erreichen. Auch die Situation in Sachen Nachwuchskräfte sei nicht rosig, von 1.600 Absolventen des Medizinstudiums seien 2017 nur rund 40 Prozent in Österreich als Ärzte tätig geworden.

Bereits jetzt seien Hausärzte im Bundesland unter „teils unzumutbaren Bedingungen“ tätig, sagte Kollermann. Von Allgemeinmedizinern im Bezirk Amstetten würden etwa bis zu 260 Patienten am Tag betreut, im selben Zeitraum in Dänemark und den Niederlanden 20. „Diese Größenordnung sagt schon einiges.“ Als Lösungsansätze erwähnte Kollermann unter anderem den Abbau der Bürokratie und die Einbindung junger Ärzte in Gestaltungsprozesse. Zudem sei eine Weiterentwicklung und Nutzung von Technologien wie der Telemedizin wünschenswert.

Christian Schwarz, selbst Allgemeinmediziner in Oberndorf an der Melk (Bezirk Scheibbs) und parteilos, sprach von einer prekären Versorgungssituation in dem Raum, in dem er tätig ist. Auch er selbst habe keinerlei Aussicht, einen Nachfolger zu finden. „Die Work-Life-Balance und die Rahmenbedingungen stimmen nicht.“ Die bereits errichteten niederösterreichischen Primärversorgungszentren in St. Pölten und Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten-Land) hält er für „einen guten Ansatz“. Noch sinnvoller erscheint Schwarz die Idee von sogenannten Primärversorgungsnetzwerken, die mehrere Ärzte an verschiedenen Standorten aufziehen könnten. Als wünschenswert bezeichnete der Mediziner zudem eine „Reformierung der Ausbildung“.

Auf umfangreiche Pläne in diesem Bereich verwies Dinhobl in einer Aussendung. Jährlich würden vom Land Niederösterreich Vorbereitungskurse für die Medizinaufnahmeprüfung für 350 Studenten gefördert. Aktuell werden außerdem rund „1.400 Turnusärzte in unseren Landeskliniken auf ihre zukünftige Fach- oder Allgemeinmedizinertätigkeit vorbereitet“, so der VP-NÖ Gesundheitssprecher. An der Karl Landsteiner Universität in Krems werden demnach auch im Bundesland selbst Jungärzte ausgebildet. Die Zahl der Studierenden soll von aktuell 350 auf 450 im Vollausbau 2020 steigen.




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