Letztes Update am Do, 17.01.2019 13:17

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Anlageexperten sehen für heuer nur geringes Rezessionsrisiko



Wien (APA) - Heimische Anlageexperten zeigen sich für das Jahr 2019 deutlich optimistischer als die zuletzt eher trübe Stimmung an den Finanzmärkten vermuten lassen würde. Sowohl von den Spezialisten der Allianz Invest KAG als auch des Bankhauses Krentschker wird das Risiko für eine Rezession in diesem Jahr als gering eingestuft.

Dass für heuer aber eine Abschwächung der globalen Wirtschaftsdynamik verglichen mit dem Vorjahr Jahr 2018 zu erwarten ist, darüber ist man sich ebenfalls einig. Weiters dürfte den Investoren die Schwankungsanfälligkeit an den Finanzmärkten aus dem vergangenen Jahr erhalten bleiben, vor allem wegen der anhaltenden und weiter ungeklärten politischen Risiken. Zu nennen wären hier altbekannte Sorgenkinder wie der Brexit, die Konjunkturentwicklung in China sowie der Handelsstreit zwischen den USA und China.

„Die Aussichten für 2019 sind eigentlich positiv, es sei denn, man ist ein starker Pessimist“, sagte Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest KAG am Donnerstag vor Journalisten. Auch die Experten aus dem Bankhaus Krentschker sind tendenziell optimistisch und meinen, der Markt habe zuletzt zu viel auf politische Themen geschaut und zu wenig auf die Fundamentaldaten, die sich noch auf einem hohen Niveau befänden.

Als unterstützender Faktor wirke die nach wie vor international expansive Geldpolitik, so Ramberger. Zwar werden die Märkte im neuen Jahr nicht mehr von Anleihenkäufen der Notenbanken gestützt und die US-Notenbank hat ihre Zinsen 2018 bereits deutlich angehoben. In den vergangenen Wochen haben sich die US-Währungshüter jedoch deutlich zurückhaltender gegeben und wollen ihre Straffungsmaßnahmen deutlich langsamer fortsetzen als im Vorjahr.

Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte überdies eine Anhebung der Leitzinsen heuer zur Gänze ausbleiben. Die EZB werde wohl erst 2020 die Zinszügel zum ersten Mal anziehen, schätzen die Marktanalysten des Bankhauses Krentschker. Allerdings weisen die Experten auch darauf hin, dass damit der Spielraum der EZB begrenzt ist, im Falle eines deutlicheren Wirtschaftsabschwungs unterstützend einzugreifen.

Auch den Unternehmensgewinnen stellen die Experten der Allianz Invest weiterhin ein positives Zeugnis aus. Sie rechnen für heuer in allen Regionen mit weiteren Gewinnsteigerungen.

Vor diesem Hintergrund seien Aktien nach der jüngsten Korrekturbewegungen im Schlussquartal 2018 verhältnismäßig billig bewertet. Besonders für Aktien in den Emerging Markets hätten sich die Aussichten verbessert. Der Allianz-Investmentexperte Martin Bruckner empfiehlt daher, diese Anlageklasse im ersten Quartal 2019 überzugewichten. Unterstützung sollte die Region vor allem von den gedämpften Zinserhöhungsaussichten in den USA erhalten, welche auch den Auftrieb beim US-Dollar in Schach halten sollten. 2018 hatte der starke US-Dollar die Währungen in einigen Schwellenländern massiv unter Druck gebracht.

Für Aktien und für Staatsanleihen in den USA und Europa ist Bruckner dagegen „neutral“ eingestellt. Da das Umfeld weiter volatil bleibt, sei derzeit vor allem eine breite Diversifikation wichtig, sagte der Allianz-Experte.

Beim Bankhaus Krentschker setzt man dagegen eher auf defensive Werte und ist gegenüber Anlagen in den Emerging Markets vorsichtiger als bei der Allianz. Begründet wird das damit, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China bereits in den chinesischen Konjunkturdaten sichtbar werde.




Kommentieren