Letztes Update am Do, 17.01.2019 13:20

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ein Dogma und seine Durchbrechung: Belvedere 21 zeigt Nicolas Jasmin



Wien (APA) - Mit ihrem kinematografischen Dogma wurden Lars von Trier und Thomas Vinterberg 1995 zu Vorreitern einer Welle von Filmen mit technischer Selbstbeschränkung. Mit seinem „Painting Dogma“ legte der aus Frankreich stammende damalige Wiener Akademiestudent Nicolas Jasmin 1989 ein Regelwerk für seine eigene künstlerische Arbeit fest. Was daraus wurde, ist in einer kleinen Schau im Belvedere 21 zu sehen.

„Nicolas Jasmin. Arbeiten“ hieß 1990 die erste Ausstellung des 51-jährigen Wahlwieners an der Akademie der bildenden Künste. „Nicolas Jasmin und andere Arbeiten“ heißt der darauf Bezug nehmende, „auch grammatikalisch verwirrende“ (Kuratorin Luisa Ziaja) Titel der von morgen bis 22. April laufenden Ausstellung mit Arbeiten der vergangenen acht Jahre und einzelnen Beispielen seines Frühwerks. „Wiederholung, Aneignung und Umeignung“ seien einige der Strategien des konzeptionell und minimalistisch arbeitenden Künstlers, sagte die Kuratorin bei der Presseführung am Donnerstag.

Die Ausstellung im Untergeschoß, die auch in der die Pfeiler und bodentiefen Fensteröffnungen des Raums aufnehmenden Ausstellungsarchitektur von Thomas Osterwinter Jasmins Strategien von Addition und Subtraktion reflektiert, setzt auf monochrom bemalte Kleinformate mit Sackleinen als Malgrund. Doch das Brechen seines „Painting Dogma“ hatte Jasmin praktischerweise bereits als vierten und letzten Punkt in sein Dogma aufgenommen. Seine Phase, in der sich der Künstler unter dem Pseudonym N.I.C.J.O.B. 1996-2006 mit Film und Video, Sampling und Loops beschäftigte, ist zwar ausgespart, zu sehen sind jedoch jüngere Arbeiten, bei denen Nicolas Jasmin Lasertechnologie einsetzte, um quasi als Archäologe zuvor aufgebrachte Farbschichten nach digitalen Vorlagen wieder abzutragen.

Kühl, kopfig und kontrolliert wirken diese Werke, die meist in Serien entstehen. Wie etwa die Serie „Out of the Index“, bei der man auf einzelnen Bildern über die Länge einzelner Musikstücke von Bela Bartok, Frank Sinatra, Neil Young oder Procul Harum informiert wird. Nicolas Jasmin hat hier die in Listen erfasste musikalische Bibliothek des US-Malers und Land-Art-Künstlers Robert Smithson (1938-1973) zu einem „abstrahierten Porträt des Künstlers“ (Ziaja) verarbeitet. Viel Konzept. Und wenig Musik.

(S E R V I C E - „Nicolas Jasmin und andere Arbeiten“, Ausstellung im Belvedere 21, Wien 3, Arsenalstraße 1. Mi bis So 11-18 Uhr, Mi und Fr bis 21 Uhr. Katalog: 120 Seiten, 87 Abbildungen, 19 Euro. www.belvedere21.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen unter belvedere21.at/presse21 zum Download bereit.)




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