Letztes Update am Do, 17.01.2019 14:53

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trump will neue US-Raketenabwehr-Strategie vorstellen



Washington (APA/AFP) - Schutz gegen Bedrohungen aus Russland oder China: US-Präsident Donald Trump will am Donnerstag eine neue Raketenabwehr-Strategie seines Landes vorstellen. Die USA setzen dabei unter anderem auf Weltraum-basierte Abwehrsysteme. Die Präsentation kommt zwei Wochen vor Ablauf eines US-Ultimatums an Russland zur nachweisbaren Einhaltung des INF-Abrüstungsvertrages.

Der Präsident wird im US-Verteidigungsministerium die Ergebnisse einer 2017 in Auftrag gegebenen Analyse zur US-Raketenabwehr präsentieren, wie Regierungsvertreter sagten. Dabei geht es um neue Bedrohungsszenarien und die Entwicklung neuer Technologien zum Abfangen von Raketen.

Auszüge aus dem mehr als 80-seitigen Dokument der US-Raketenabwehr-Agentur MDA wurden bereits im Voraus öffentlich gemacht. Demnach sehen die USA unter anderem die Bestrebungen Russlands und Chinas, Überschallraketen zu entwickeln, als Bedrohung an. Solche Raketen sind mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit unterwegs und können während ihres Flugs ihre Richtung ändern. Sie sind deswegen nur sehr schwer abzufangen.

Die USA setzten unter anderem auf Weltraum-basierte Abwehrsysteme. So könnte eine Art Drohne mit Raketen ausgestattet und auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden, um von dort aus mögliche Überschallraketen abzuschießen.

Angesichts der Gefahr ballistischer Raketen aus dem Iran und Nordkorea prüfen die USA, wie solche Flugkörper schon kurz nach dem Start zerstört werden könnten. Dazu sollen unter anderem Lasergeräte entwickelt werden. Außerdem könnte der US-Tarnkappenjäger F-35 mit neuartigen Raketen ausgestattet werden und im Krisenfall in der Nähe mutmaßlicher gegnerischer Abschussrampen patrouillieren.

Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund eines möglichen neuen Wettrüstens: Russland hatte Ende Dezember den erfolgreichen Test einer neuen Überschallrakete bekanntgegeben.

Präsident Trump hatte Ende Oktober den Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag angekündigt und Russland einen Bruch der Vereinbarungen vorgeworfen. Im Dezember räumte Washington Moskau eine letzte Frist von 60 Tagen ein, um zu den Bestimmungen des Vertrages zurückzukehren. Russland reagierte auf die Vorwürfe und Forderungen wiederholt mit der Androhung einer Aufrüstung.

Am Dienstag waren Verhandlungen zwischen den USA und Russland über eine Rettung des INF-Abrüstungsvertrages in Genf ohne Ergebnis geblieben. Beide Seiten wiesen sich gegenseitig die Schuld für das Scheitern der Gespräche zu.

Russische Vertreter sagten, die US-Delegation habe die Absicht der Regierung bestätigt, sich ab dem 2. Februar aus dem Abkommen zurückzuziehen. Nach US-Angaben würde dieser Prozess sechs Monate dauern.




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