Letztes Update am Do, 17.01.2019 16:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


14 Messerstiche - Opfer: „Ich habe kein Leben mehr“



Wien (APA) - Nachdem die im Weg einer Videokonferenz vernommene 32-jährige Frau unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber in bewusst gewünschter Anwesenheit des Angeklagten - er sollte ihre Narben sehen - dem Schwurgericht ihren verunstalteten Körper präsentiert hatte, wurde das Publikum wieder zugelassen. „Er hat mein ganzes Leben kaputt gemacht. Ich habe kein Leben mehr“, stellte die Zeugin fest.

Das, was sie mitmachen musste, wünsche sie niemandem: „Ich habe das nicht verdient. Ich war immer ein guter Mensch.“

Wie Gerichtsmediziner Wolfgang Denk erläuterte, hätte das Opfer die Bluttat ohne außergewöhnlich rasche notfallmedizinische Hilfe nicht überlebt. Einer der 14 Stiche war in die Herzgegend gegangen, eine Schnittwunde im Bauchbereich war zehn Zentimeter lang, was den Austritt von Darmschlingen bewirkte. Die Klinge des Messers durchtrennte außerdem die Rückenmuskulatur. Aufgrund der erlittenen Verletzungen musste der 32-Jährigen der Dickdarm zur Gänze operativ entfernt werden, der Dünndarm, der Magen und die Milz wurden massiv beschädigt. Die Nieren haben ihre Funktionsfähigkeit komplett eingebüßt, so dass die Frau jeden zweiten Tag einer Dialyse bedarf.

„Es ist ein medizinisches Wunder, dass diese Frau überlebt hat“, sagte Staatsanwältin Angelika Fichtinger in ihrem Schlussplädoyer. Der Angeklagte habe in einem Blutrausch agiert: „Er hat sie blutend, ohnmächtig, sterbend zurückgelassen.“ Es könne keinen Zweifel geben, dass mit einem Schuldspruch wegen versuchten Mordes vorzugehen sei. „Meiner Ansicht kann es dafür nur eine Strafe geben. Die Höchststrafe“, trat Fichtinger explizit für die Verhängung einer lebenslangen Haftstrafe ein. „Das Opfer hat schon lebenslang“, bemerkte die Staatsanwältin abschließend.

Verteidiger Nikolaus Rast betonte in seinem Schlusswort, wie sehr er das Schicksal der 32-Jährigen, die aufgrund ihrer massiven Verletzungen auch noch in der siebenten Schwangerschaftswoche ihr Kind verloren hatte, bedaure. Bei ihrer Zeugenaussage seien ihm die Tränen gekommen: „Das ist unbeschreiblich. Mir fehlen die Worte.“ Dessen ungeachtet habe sein Mandant sie nicht töten wollen: „Er wollte nichts anderes, als sie leiden sehen. Das ist widerlich und abscheulich, aber kein versuchter Mord. Er wollte sie schwer verletzen.“

Mit der Urteilsverkündung war nicht vor 17.00 Uhr zu rechnen.




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