Letztes Update am Do, 17.01.2019 19:44

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jüdischer Verband gegen Suche nach Knochen von Holocaust-Opfern



Budapest (APA/dpa) - Der Verband der jüdischen Gemeinden in Ungarn (Mazsihisz) hat dagegen protestiert, dass israelische Taucher in der Donau bei Budapest nach Überresten von Holocaust-Opfern suchen. „Die Nachricht hat unsere Gemeinschaft erschüttert“, teilte der Verband am Donnerstag in Budapest mit.

Die ungarischen Behörden sollten die Aktion wegen der damit einhergehenden Störung der Totenruhe umgehend stoppen, hieß es in der Erklärung weiter.

Am letzten Dienstag war bekannt geworden, dass die israelische Organisation Zaka von den ungarischen Behörden die Erlaubnis erhalten hatte, in der Donau nach den Knochen Tausender Juden zu suchen. Diese waren im Holocaust Ende 1944 am Budapester Donauufer erschossen worden, ihre Leichen waren im Fluss versunken. Die gefundenen sterblichen Überreste will die strengreligiöse Organisation nach Israel bringen und dort bestatten.

Die diesbezügliche Genehmigung hatte der ungarische Innenminister Sandor Pinter nach einem Treffen mit seinem israelischen Amtskollegen Arie Deri am Montag in Budapest erteilt. Nach ungarischen Medienberichten nahmen Taucher von Zaka bereits erste Erkundungen in der Donau vor. Auf Knochen seien sie dabei noch nicht gestoßen.

„Es ist überflüssig, nach eventuell noch vorhandenen Knochen zu suchen“, hielt die Mazsihisz-Erklärung vom Donnerstag fest. „Es verstößt gegen die Totenruhe und die Würde der jüdischen und nicht-jüdischen Toten, es verstößt gegen die Halacha (jüdisches Religionsgesetz).“

Die Erschießung von Juden an der Donau Ende 1944 bildete den Schlusspunkt des ungarischen Holocaust. Zuvor hatten die ungarischen Behörden zwischen April und Juni 1944 mehr als eine halbe Million ungarischer Juden in Zusammenarbeit mit den Deutschen nach Auschwitz deportiert.




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