Letztes Update am Do, 17.01.2019 22:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mindestens zwei Tote bei Demonstration von Regierungsgegnern im Sudan



Khartum (APA/AFP) - Bei der Niederschlagung von Protesten in der sudanesischen Hauptstadt Khartum sind am Donnerstag mindestens zwei Menschen getötet worden. Bei den Todesopfern handle es sich um einen Arzt und ein Kind, teilten Angehörige und der Ärzteverband mit.

Die Polizei feuerte unter anderem Tränengas in eine Menge hunderter Demonstranten, die zum Präsidentenpalast marschierten. Die Menschen forderten den Rücktritt von Staatschef Omar al-Bashir.

Proteste gegen die Regierung gab es auch in mehreren anderen Städten. Die Regierungsgegner gehen seit dem 19. Dezember fast täglich auf die Straße. Amtlichen Angaben zufolge wurden bei den Kundgebungen bisher mindestens 24 Menschen getötet. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International und Human Rights Watch sprechen dagegen von mehr 40 Toten.

Die Proteste richteten sich zunächst gegen eine Erhöhung des Brotpreises. Rasch weiteten sie sich zu Demonstrationen gegen al-Bashir aus. Gegen ihn besteht seit Jahren ein internationaler Haftbefehl wegen Völkermordes. Zu den Sprechchören gehört auch die Forderung „Das Volk will den Sturz des Regimes“, der Slogan des Arabischen Frühlings von 2011.

Der 75-Jährige schließt seinen Rücktritt kategorisch aus. Er verweist auf die Präsidentschaftswahl 2020, bei der er nach Meinung von Beobachtern erneut antreten will.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet verurteilte die „Repression“ der Regierung gegen ihre Gegner. Die Berichte über die „Anwendung übermäßiger Gewalt, einschließlich scharfer Munition“ seien „sehr Besorgnis erregend“. Bachelet forderte die Regierung auf, das Recht auf Meinungsfreiheit und friedliche Versammlung zu gewährleisten.

Das Europaparlament verabschiedete in Straßburg eine Entschließung, in der die Gewaltanwendung der sudanesischen Sicherheitskräfte entschieden verurteilt wird. Die Regierung wird aufgefordert, willkürliche Verhaftungen und Misshandlungen und „jedes weitere Blutvergießen“ einzustellen.




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