Letztes Update am Fr, 18.01.2019 06:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: Hütter hofft auf Fortsetzung von „fabelhafter Entwicklung“



Frankfurt (APA) - Zuerst Kritik, dann großes Lob: Adi Hütter hat in seinem ersten Halbjahr als Trainer von Eintracht Frankfurt viel erlebt. Dank Rang sechs in der deutschen Fußball-Bundesliga und einer makellosen Serie in der Europa-League-Gruppenphase können die Hessen positiv dem Frühjahr entgegenblicken. „Das ist natürlich eine fabelhafte Entwicklung, die ich mir so sicher nicht erträumt hätte“, sagte Hütter.

Nach einem schwachen Start samt Schlappe im Supercup und Out als Titelverteidiger im DFB-Cup hatten die Medien schon gegen den Vorarlberger geschossen. „Mich hat es nie so gestört, weil es ist ja nur eine Meinung von Außenstehenden. Intern habe ich aber weder von Fredi Bobic noch von Bruno Hübner irgendwo annähernd einmal so Druck verspürt, dass ich gesagt habe, jetzt müssen wir. Sie haben mir vertraut. Von daher war immer eine Ruhe und war auch ich immer sehr ruhig“, gab der 48-Jährige im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur Einblick. Das machte sich bezahlt. Von Ende September bis zum Herbstende konnten 12 von 17 Pflichtspielen gewonnen werden. „Da haben wir wirklich sehr stark gespielt und einen sehr guten Lauf gehabt“, sagte Hütter.

Das wurde auch von den Medien honoriert. Hütter war für die „Bild am Sonntag“ der beste Trainer der Hinrunde, in einer Umfrage des „kicker“ unter den Spielern schnitt er als Zweitbester ab. „Das zeigt, wie extrem es ist zwischen negativ und positiv. Es ist immer so schnelllebig und kurzweilig das Ganze. Ich war am Anfang nicht zu Tode betrübt, dann aber auch nicht himmelhochjauchzend“, erläuterte der Vorarlberger. Die Berichte hat er sehr gerne vernommen. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich es nicht wahrnehme. Es ist sehr erfreulich, wenn man positives Feedback bekommt, wie jetzt auch von Jogi Löw, der mich sehr gelobt hat“, schilderte Hütter.

2019 gilt es nun für die Eintracht, die Leistungen samt erfrischendem Offensivfußball zu bestätigen. Aktuell liegt der Club auf einem Europacup-Platz. Den zu erreichen, ist aber kein Muss. „Ich bin überzeugt, dass wir eine sehr gute Platzierung erreichen werden, aber nicht der Trainer, der hergeht und sagt, wir müssen unbedingt unter die Top Sechs kommen. Mir geht es um die Art und Weise, wie wir spielen“, sagte Hütter. Nur vier Punkte fehlen auf Rang vier und den letzten Champions-League-Platz. „Das stimmt schon, aber auf der anderen Seite muss man auch nach hinten schauen, vor allem wenn man sieht, welche Teams mit weit mehr Möglichkeiten als wir und hinter uns stehen. Wenn du einen Negativlauf hast, bist du auch gleich Zwölfter“, warnte der Ex-Bern-Coach vor zu großen Erwartungen.

Deshalb sei es wichtig, immer an die Leistungsgrenze zu gehen. „Wir sind imstande, sehr viel zu bewegen. Sobald wir aber zehn Prozent nachlassen, ist jede Mannschaft in der Lage, uns zu schlagen“, erinnerte Hütter. Die kurze Vorbereitung verlief vielversprechend und ohne Verletzungsprobleme. Rückkehrer Sebastian Rode konnte gut eingegliedert werden. „Die Spieler waren sehr engagiert und haben mit sehr viel Enthusiasmus, Leidenschaft und Freude die 14 Tage absolviert. Ich habe das Gefühl, dass jeder Spieler bereit ist, in der Startelf zu stehen“, ist Hütter guter Dinge. Auch der Jetlag, mit dem mancher Kicker nach zehn Tagen im Trainingslager in Florida noch leichte Probleme hat, soll bis zum Auftakt-Heimspiel gegen Freiburg am Samstag kein Problem mehr sein.

In der Offensive sind wieder die im Herbst überragenden Luka Jovic (12 Ligatore), Sebastien Haller (9) und Ante Rebic (5) gefragt. „Das sind drei Topstürmer, um die uns viele andere Mannschaften beneiden. Es ist gut, dass wir es geschafft haben, den Kader so zusammenzuhalten, dass wir keine großen Verluste haben, was die Qualität betrifft“, freute sich Hütter. Sollte das Trio die Herbstleistungen bestätigen können, wird es nur schwer zu halten sein.

Bis dahin wollen die Frankfurter auch in der Europa League weiter eine gute Figur abgeben, im Sechzehntelfinale wartet mit Schachtar Donezk das laut Hütter vielleicht schwierigste Los. „Die Chancen stehen 50:50“, sagte der Ex-Salzburg-Coach. Die Begeisterung in Frankfurt ist enorm, das Heimspiel ist wieder mit 48.000 Zuschauern ausverkauft. „Ich glaube, es gibt keinen Verein in Europa, der so eine Begeisterung darstellt wie die Eintracht Frankfurt“, betonte Hütter. Die Fans seien insgesamt unglaublich begeisterungsfähig. „Die Menschen geben hier sehr viel her nur für den Fußball, das kriegt man schon mit“, so Hütter. Auch für sie will man wieder einen Europacup-Platz holen. „Wir wollen schauen, dass wir das wieder erreichen“, so Hütter.

Sein Vertrag beim deutschen Meister von 1959 läuft noch bis 2021. „Frankfurt ist ein sehr interessanter Verein mit einer Riesentradition, der sich im Umbruch befindet. Es ist viel Bewegung drinnen, es wird alles versucht, dass man eine fixe Größe in der Bundesliga ist“, verlautete Hütter.

Für ihn ist es nach dem erfolgreichen Engagement in Bern der nächste Schritt auf der Karriereleiter. „Für mich war es unglaublich wichtig, dass ich mich in Deutschland durchsetzen kann, dass ich da bestehen kann. In dem halben Jahr ist mir das ganz ordentlich gelungen, um auch eine gewisse Reputation zu haben. Ich muss mich vor niemandem verstecken“, sagte Hütter. Mehr als 400 Pflichtspiele kann er mittlerweile als Trainer vorweisen. In der Liga ist er damit die Nummer fünf, nur Lucien Favre, Dieter Hecking, Ralf Rangnick und Friedhelm Funkel sind ihm voraus.




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