Letztes Update am Fr, 18.01.2019 08:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Bücher - Täter und Opfer: „Geisterbahn“ und „Rechtswalzer“



Wien (APA) - Um Opfer und Täter geht es in zwei Büchern, aus denen die Autoren am Montag (21. Jänner) in Wien lesen. Ursula Krechel, 2012 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet, stellt in der Alten Schmiede ihren viel gelobten Roman „Geisterbahn“ vor. Der Österreicher Franzobel, 2017 mit seinem Roman „Das Floß der Medusa“ auf der Buchpreis-Shortlist, präsentiert im Porgy & Bess seinen Krimi „Rechtswalzer“.

**

Große Sprachkraft, große Grausamkeit: Ursula Krechels „Geisterbahn“

Ursula Krechel erzählt von Opfern und Tätern in der Kriegs- und Nachkriegszeit in Deutschland. Ihre Trilogie, die nach „Shanghai fern von wo“ und „Landgericht“ nun mit „Geisterbahn“ vollendet wurde, hat dokumentarische Ausmaße, basiert auf intensiven, quellengestützten Recherchen - und löst doch literarisch den Anspruch größter Sprachkraft ein. Auf knapp 650 Seiten erzählt die deutsche Autorin vom Schicksal der Sinti-Familie Dorn, von ihrem Alltag und ihren Sehnsüchten, von ihrer kleinen, heilen Welt, die von den Mühlen der Naziherrschaft mit einer Grausamkeit zermahlen wird, die unvorstellbar wäre - gäbe es nicht Literatur wie diese. „Geisterbahn“ ist aber auch ein Porträt der Nachkriegsgesellschaft, in der die Kinder von Opfern, Tätern und Mitläufern gemeinsam in der Schulklasse sitzen - gezeichnet von den Wunden ihrer Familien, von neuen alten Vorurteilen und einem großen Schweigen. (Ursula Krechel: „Geisterbahn“, Jung und Jung, 650 Seiten, 32 Euro, ISBN: 978-3-9902721-9-0; Lesung am 21.1., 19 Uhr, im Literarischen Quartier Alte Schmiede)

****

Politik, Kriminalität und Opernball: Franzobels „Rechtswalzer“

Am 28. Februar wird Superstar Anna Netrebko gemeinsam mit ihrem Mann Yusif Eyvazov bei der Eröffnung des Wiener Opernballs auftreten. Den Opernball des Jahres 2024 inszeniert die rechtsnationale Regierung als Propagandaspektakel, auf dem sie „Rechtswalzer“ tanzen lässt. Das prognostiziert der österreichische Autor Franzobel in seinem gleichnamigen neuen Roman, mit dem er seiner 2014 mit „Wiener Wunder“ begonnene und 2015 mit „Groschens Grab“ fortgesetzte Krimi-Reihe rund um den Wiener Kommissar Falt Groschen einen weiteren Band hinzufügt. „Ich traue jedem einen Mord zu, auch mir selbst“, lautet Groschens Credo. In „Rechtswalzer“ gerät der Getränkehändler und Barbesitzer Malte Dinger unverschuldet in die Fänge der Justiz. Eine Fahrscheinkontrolle eskaliert, er kommt in U-Haft - keine angenehme Erfahrung. Die Gefängnisse sind überfüllt, denn die neue Regierung räumt auf. „Franzobels neuer Krimi spielt in der Zukunft, ist aber brandaktuell“, wirbt der Verlag. (Franzobel: „Rechtswalzer“, Paul Zsolnay Verlag, 414 Seiten, Klappenbroschur, 19,60 Euro, ISBN 978-3-552-05922-1. Präsentation am 21.1., 20 Uhr, im Jazzclub Porgy & Bess, Wien 1, Riemergasse 11. Musikalische Begleitung: Thomas Gansch)




Kommentieren