Letztes Update am Fr, 18.01.2019 08:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Grüne Woche startet - Tierwohl, Kennzeichnung, Digitalisierung



Berlin (APA/dpa-AFX) - Mehr Tierschutz im Stall, mehr Klarheit über Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten für eine gesündere Ernährung: Zum Start der Grünen Woche in Berlin werden wachsende Erwartungen an die Lebensmittelhersteller laut.

Die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) rief am Donnerstag zum Dialog mit den Verbrauchern auf, der nicht reflexartig von der Landwirtschaft abgewehrt werden sollte.

Bauern sollten aber auch nicht als „Buhmann der Nation“ dargestellt werden. Bei der Messe, die an diesem Freitag für die Besucher öffnet, präsentieren sich bis zum 27. Jänner 1.750 Ausstellern aus 61 Ländern. Auch aus Österreich sind wieder Delegationen in Berlin vertreten.

Klöckner warb für ein moderneres Bild von Landwirtschaft, romantisierende Darstellungen lehnt sie ab. „Während selbstfahrende Laster und zunehmende Technik die Menschen begeistern, soll die Bäuerin aber immer noch mit der alten Milchkanne hüpfend über den Hof laufen“, sagte sie bei der Eröffnungsfeier am Donnerstagabend. Eine digitalisierte Landwirtschaft biete auch weltweit das Potenzial, effizienter und ressourcenschonender zu produzieren und mehr Menschen satt zu machen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) trat für offene Grenzen und Handelsbeziehungen ein. Schon der EU-Austritt Großbritanniens habe negative Folgen für viele Firmen.

Beim geplanten staatlichen deutschen Tierwohl-Label für Fleisch im Supermarkt beharrt Klöckner auf Standards über den gesetzlichen Vorgaben. Eine von mehreren Handelsketten angekündigte Haltungskennzeichnung, gebe in der ersten Stufe nur den Ist-Zustand wieder. „Ich weiß nicht, warum man das belobigen sollte“, sagte sie. „Wenn ich an der roten Ampel halte, kriege ich ja auch kein Plakettchen dafür.“ Zur Ehrlichkeit gehöre, dass bei mehr Kosten für mehr Tierwohl auch die Verbraucher gefordert seien, sagte Klöckner mit Blick auf die Preise.

Eine Branche hat bereits mehr Transparenz angekündigt: Deutschlands Brauereien wollen künftig den Kaloriengehalt von Bieren auf dem Flaschenetikett angeben. Eine entsprechende Empfehlung richten der Deutsche Brauer-Bund und der Verband Private Brauereien Deutschland an alle Mitgliedsbrauereien, wie beide Verbände am Freitag mitteilten. Die Angabe des Brennwerts bei allen Bieren und Biermischgetränken soll auf freiwilliger Basis erfolgen und ab heuer schrittweise von den Brauereien umgesetzt werden.

Man stehe auf europäischer und nationaler Ebene in Kontakt mit den Verbänden der Weinwirtschaft und Spirituosenindustrie, um für die Zukunft eine Zutaten- und Brennwert-Kennzeichnung für sämtliche alkoholische Getränke zu erreichen.

Bereits heute müssen alkoholfreie Biere und alkoholfreie Biermischgetränke mit weniger als 1,2 Prozent Alkohol mit den Nährwertangaben versehen werden, wie die Verbände hervorheben. Für Getränke mit einem höheren Alkoholgehalt gilt dagegen eine Ausnahmeregelung. Die EU-Kommission hält dies für nicht mehr gerechtfertigt.

Für den Kampf gegen Übergewicht will die deutsche Regierung bis Jahresmitte Vorschläge für eine klarere Nährwertkennzeichnung bei Fertigprodukten wie Joghurt oder Tiefkühlpizzen vorlegen. „Wir wollen eine einfachere Erkennbarkeit haben“, sagte Klöckner. Die lange diskutierte „reine Ampelkennzeichnung“ mit rot, gelb und grün für den Gehalt an Zucker, Fett und Salz sei „überwunden“. Dabei könnten auf Produkten auch alle drei Farben leuchten. „Dann weiß der Verbraucher gar nicht mehr, wo es hin geht.“ Das Ministerium lasse derzeit Vor- und Nachteile mehrerer Modelle auch aus anderen Ländern auswerten.

Die deutsche Agrarpolitikerin mahnte einen Ausbau des schnellen Internets bis in die Dörfer an. Dies müsse nicht nur in den Haushalten, sondern auch auf Äckern und in Wäldern verfügbar sein. Die Digitalisierung ist ein großes Thema der Grünen Woche, zu der rund 400.000 Besucher erwartet werden. Partnerland ist diesmal Finnland.




Kommentieren