Letztes Update am Fr, 18.01.2019 10:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Bürger*innenbühne“ startet in Graz - Thema Burnout und Boreout



Graz (APA) - Ende Jänner startet im Grazer Schauspielhaus das dreiteilige Projekt „Bürger*innenbühne“. Menschen aus der gesamten Steiermark waren und sind aufgerufen, gemeinsam mit Theaterprofis in mehrwöchiger Probenarbeit ein Stück zu einem vordefinierten Thema zu entwickeln und auch gleich selbst auf die Bühne zu bringen.

Den Anfang macht ab 25. Jänner die Produktion „Schöne neue Welt: Leonce und Lena suchen einen Ausweg“ unter der Regie von Simon Windisch. Orientiert an Georg Büchners Komödie, geht es um die Phänomene „Burnout“ (Ausgebrannt-Sein) und „Boreout“ (Zustand ausgesprochener Unterforderung) sowie um gesellschaftliche Zusammenhänge zwischen Erwerbsarbeit und Selbstdefinition. Das Interesse an der Teilnahme für die Pilotproduktion war unerwartet hoch: Aus rund 100 Bewerbenden wurden neun ausgewählt, erzählt die Ensemble-Betreuerin und Theaterpädagogin Julia Gratzer.

Eine der Auserkorenen für das Pilotstück ist die Geriaterin Gundula Biemann. Sie habe im Rahmen einer Humor-Therapieausbildung in der Schweiz den Tipp bekommen, sich selbst als Schauspielerin zu versuchen, erzählte sie der APA im Gespräch. Das Motiv für ihre Bewerbung bei dem Projekt sei aber eher ein persönliches denn ein berufliches gewesen, nämlich „etwas ganz Neues zu machen und an die eigenen Grenzen zu gehen“.

Ihre bisherigen Erfahrungen mit der Theaterarbeit - geprobt wird seit Mitte November - beschrieb sie als „sehr spannend und bereichernd“, aber auch als „sehr intensiv“. Neben dem Beruf im Krankenhaus, den sie nebenher vollzeitlich ausübt, artete die Probenarbeit „gelegentlich auch in Stress“ aus, gestand sie. Dennoch freute sie sich schon sehr auf die Premiere.

Ein anderer Neo-Schauspieler ist der Musiker und Maler Hannes Schauer. Für ihn war die kollektive Erfahrung im Team mit anderen Menschen auf der Bühne eines der Motive für die Bewerbung. Auch das Thema Burnout-Boreout war für ihn maßgebend: „Extreme interessieren mich“, sagte er. Er kenne beide Phänomene auch aus eigener Erfahrung. Weitere Schauspiel-Einsätze kann er sich vorstellen. Zunächst hoffte Schauer aber auf einen Solo-Auftritt beim Wiener Protestsongcontest.

Schauspielhaus-Intendantin Iris Laufenberg nahm sich für ihr Projekt ein Erfolgskonzept des Staatsschauspiel Dresden zum Vorbild, das dort seit mehreren Jahren läuft. Im Wesentlichen geht es darum, zu vorbestimmten Themen Geschichten aus der Bevölkerung zu sammeln und diese mit professioneller Leitung und Begleitung auf die Bühne zu bringen. Laufenberg dazu: „Es geht nicht um Laientheater, sondern um die Erschließung neuer Lebens- und Theaterräume und die Einbeziehung von Grazern und Steirern. Die Bürger*innenbühne ist ein gemeinsames Experiment.“

Für die „Bürger*innenbühnen“ unter den Mottos „Schöne neue Welt: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ und „Schöne neue Welt: Familie 2.0“ werden noch Darsteller gesucht. Eine Fortführung der „Bürger*innenbühne“ in den kommenden Theatersaisons ist angedacht.

( S E R V I C E - Schöne neue Welt: Leonce und Lena suchen einen Ausweg. Eine Bürger*innenbühne über Burnout und Boreout. Premiere am 25. Jänner, 20.00 Uhr, Grazer Schauspielhaus, Haus Zwei. Weitere Vorstellungen am 30. und 31. Jänner sowie 4. Februar. Karten und Infos unter: tickets@ticketzentrum.at ; www.schauspielhaus-graz.com )




Kommentieren