Letztes Update am Fr, 18.01.2019 11:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Messerangriff auf Ex-Mann 2 - Angeklagte: „Wie in einem Film“



Korneuburg (APA) - Im Prozess wegen versuchten Mordes gegen eine 47-Jährige ist am Freitagvormittag in Korneuburg die Angeklagte befragt worden. Die Frau schilderte, dass sie in Richtung ihres Ex-Mannes stach, als dieser im Zuge eines Streitgesprächs in ihre Tasche greifen wollte. Warum sie den 32-Jährigen danach verfolgte, wisse sie nicht: „Das war wie in einem Film.“

Die Ehe der Angeklagten und des Opfers wurde im Februar 2015 geschieden. In der Woche vor dem Vorfall am Bahnhof habe sie erfahren, dass ihr ehemaliger Mann wieder geheiratet hatte, sagte die Angeklagte. Sie habe sich danach „verzweifelt und hoffnungslos“ gefühlt. Das Zusammentreffen am 12. August sei die erste Begegnung mit ihrem Ex nach dieser Nachricht gewesen.

Beim Besuch des Heurigenlokals am Tag des Messerangriffs habe sie sich immer wieder gesagt, dass sie den Mann „nie wieder sehen möchte“. Wie das gehen solle, dazu habe sie aber vorerst „keine klare Vorstellung gehabt“, schilderte die 47-Jährige. Vom Lokal aus fuhr die Frau nach Hause und holte dort das Küchenmesser. „Wenn sich Gelegenheit ergibt, habe ich mir gedacht, dass ich ihn umbringe“, sagte die Beschuldigte. Nach den konsumierten alkoholischen Getränken hatte sie laut Anklage 0,54 Promille im Blut.

Beim Bahnhof angekommen, versteckte sich die Angeklagte laut eigenen Angaben bei einem Trafohäuschen und beobachtete ihren ehemaligen Gatten bei der Übergabe der Kinder an dessen Ex-Schwiegermutter. Danach ging sie durch den Warteraum in Richtung Bahnsteig, wo sie auf das spätere Opfer traf - eine Hand habe sie dabei in der Handtasche gehabt. „Er hat mich gefragt, was ich in der Tasche habe und ob ich eine Pistole mithabe“, sagte die 47-Jährige. „Ich war momentan sprachlos, habe eigentlich gar nicht reagiert.“

Ein zwei- bis dreiminütiges Streitgespräch habe in der Folge begonnen, gab die Beschuldigte an. „Dann habe ich plötzlich gesehen, wie er mit seiner Hand in meine Tasche greifen wollte.“ Daraufhin habe sie das Messer aus der Tasche gezogen und sei in Richtung des 32-Jährigen gestochen. Dieser habe sich dann umgedreht und sei weggerannt. „Am Anfang bin ich ihm nachgelaufen“, am Parkplatz sei sie aber so außer Atem gewesen, „dass ich stehen bleiben musste“.

Das Nachlaufen sei ohnehin sinnlos gewesen. Warum sie den Mann überhaupt verfolgt habe, sei ihr nicht klar: „Das war wie in einem Film.“ Auf die Frage, wie sie heute über die Tat denke, meinte die Angeklagte: „Wenn ich den Tag aus meinem Leben streichen könnte, würde ich es machen.“

Das 32-jährige Opfer entschlug sich und wurde vor dem Schwurgericht nicht befragt. Der Prozess sollte nach einer Pause mit dem Vortrag der Sachverständigengutachten fortgesetzt werden.




Kommentieren