Letztes Update am Fr, 18.01.2019 11:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Stichwort - Spanische Hofreitschule



Wien (APA) - Sie ist eine Touristenattraktion ersten Ranges - und blickt auf eine lange Tradition zurück: die Spanische Hofreitschule. Im Jahr 1572 wurde ein „Spainischer Reithsall“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Spanische in ihrem Namen leitet die Reitschule von der auf der iberischen Halbinsel heimischen Pferderasse ab, die ab 1580 Lipizzaner genannt wurde.

Heute treten die berühmten weißen Pferde nicht nur in Wien, sondern auch im Rahmen umfangreicher Tourneen auf. Eingeführt wurde die Zucht spanischer Pferde in Österreich bereits um 1562 durch Kaiser Maximilian II. Drei Jahre später wird vor der Wiener Stallburg ein „Ross-Tumblplatz“ errichtet. Da dieser Reitplatz allerdings nicht überdacht und bei schlechtem Wetter nicht benutzbar war, wurde 1572, dort wo sich heute der Josefsplatz befindet, ein Reitstall aus Holz errichtet. Dieser war zwar nur als Provisorium gedacht, hielt dann aber länger, als man dachte.

1681 entschloss sich Kaiser Leopold I., eine neue Reitschule errichten zu lassen. Diese war zwar 1683 weitgehend fertiggestellt, wurde dann aber während der Türkenbelagerung schwer in Mitleidenschaft gezogen. Neue Höhepunkte brachte der Wiener Reitschule die Barockzeit. Um 1730 wurde eine „Winterreitschule“ errichtet, in der Ritter-Spiele und „Karussells“ abgehalten und prunkvolle Hofbälle und Maskenfeste veranstaltet wurden.

Ihre heutige Form erlangte die Spanische Hofreitschule schließlich Anfang des 19. Jahrhunderts. Zur Zeit der bürgerlichen Revolution (1848) war die Reitschule auch Schauplatz der Politik. Vom 22. Juli tagte hier der neu gewählte Österreichische Reichstag.

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen die meisten Lipizzaner zuerst nach Laxenburg bei Wien, dann in das Gestüt Piber in der Steiermark. Erst am 26. Oktober 1955, dem Tag, an dem auch die immerwährende Neutralität vom Nationalrat beschlossen wurde, kehrte die Hofreitschule in die Stallburg zurück.

Mit 1. Jänner 2001 erfolgte die Ausgliederung aus dem Bundesbudget: Die Spanische Reitschule und das Bundesgestüt Piber wurden in eine Gesellschaft öffentlichen Rechts umgewandelt. Apropos Budget: Das Defizit der Traditionseinrichtung sorgte wiederholt für Schlagzeilen. Die frühere langjährige Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler, die die Geschäfte der Hofreitschule seit 2007 gemeinsam mit Erwin Klissenbauer führte, beschritt zum Erhalt des tierischen Kulturerbes neue Wege. Sie rief unter anderem 2010 das Charity-Event „Fete Imperiale“ ins Leben.

Im vergangenen Herbst kündigte Gürtler an, dass sie auf eigenen Wunsch mit Jahresende 2018 aus der Geschäftsführung der Hofreitschule ausscheiden wird. Am gestrigen Donnerstag entschied der Aufsichtsrat, dass ihr Sonja Klima, Exfrau des früheren SPÖ-Bundeskanzlers Viktor Klima und Präsidentin der Ronald-McDonald-Kinderhilfe, nachfolgen soll.

( 0086; Format 88 x 100 mm)




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