Letztes Update am Fr, 18.01.2019 12:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkei: Syrische Truppen sollten nicht nach Manbij gelassen werden



Ankara (APA/AFP) - Die Türkei hat sich gegen die Übernahme der nordsyrischen Stadt Manbij durch die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad ausgesprochen. Die Bemühungen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die Regierungstruppen nach Manbij zu holen, dürften nicht hingenommen werden, sagte der türkische Außenamtssprecher Hami Aksoy am Freitag. Die YPG müsse abziehen und die Stadt von ihren Einwohnern verwaltet werden.

Die Türkei fordert seit Jahren den Abzug der syrischen Kurdenmiliz aus Manbij. Ankara betrachtet ihre Präsenz an der türkischen Grenze als Bedrohung, da sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Die USA unterstützen die YPG aber im Kampf gegen die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien mit Waffen, Luftangriffen und Spezialkräften.

Im Juli vereinbarten die Türkei und die USA, dass die YPG aus Manbij abzieht, doch beklagte Ankara seitdem immer wieder, dass ihre Kämpfer weiter in der Stadt präsent seien. Im Dezember drohte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan daher erneut mit einer Offensive auf Manbij. Da US-Präsident Donald Trump kurz darauf ankündigte, alle Truppen aus Syrien abzuziehen, riefen die YPG die syrische Regierung zu Hilfe.

Diese entsandte daraufhin Truppen in die Region Manbij, während kurdische Einheiten die Stadt verließen. Allerdings sind weiter US-Spezialkräfte in der Stadt stationiert, so dass unklar ist, wer Manbij derzeit kontrolliert. Am Mittwoch wurden bei einem Anschlag in der Stadt 19 Menschen getötet, darunter neben Zivilisten und Kämpfern einer kurdisch-arabischen Allianz auch vier US-Militärangehörige. Zu dem Selbstmordanschlag bekannte sich die IS-Miliz.

Der Umgang mit der YPG sorgt auch weiterhin für Streit zwischen der Türkei und den USA. Wie Aksoy ankündigte, wird der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am 6. Februar zu einem Treffen der internationalen Anti-IS-Koalition zu Syrien nach Washington reisen. Am Freitag war zudem der republikanische US-Senator Lindsey Graham zu Gesprächen in Ankara. Der Trump-Vertraute wollte unter anderem Cavusoglu und Erdogan treffen.




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