Letztes Update am Fr, 18.01.2019 12:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Winterwetter - Steirische Kräfte über 100.000 Stunden im Einsatz



Graz (APA) - Der steirische Katastrophenschutzreferent und LHStv. Michael Schickhofer (SPÖ) hat am Freitag mit den Einsatzorganisationen eine vorläufige Bilanz der Schnee- und Lawinensituation der vergangenen 14 Tage gezogen: Rund 6.000 Helfer waren über 100.000 Stunden aktiv. „Die Intensivphase ist beendet, wir bleiben in Bereitschaft“, sagte er in der Landeswarnzentrale. Die Einsätze werden nun analysiert.

Noch zu Beginn der vorläufigen Bilanz richtete Schickhofer einen eindringlichen Appell an Bevölkerung und Urlauber, den Anweisungen der Einsatzkräfte weiterhin zu folgen und Absperrungen nicht zu missachten: „Nach 14 Tagen und Nächten sind noch rund 20 Personen nicht oder schwer zu erreichen, die meisten Straßen sind wieder befahrbar. Das Zusammenspiel der Einsatzkräfte in diesem Ausnahmeereignis hat in hoch professioneller Art funktioniert.“

„Was uns betroffen gemacht hat, waren die zwei Todesopfer und der Schwerverletzte“, sagte Schickhofer. In der Sölk war ein Mann von einer Dachlawine verschüttet worden, er konnte nur noch tot geborgen werden. In Mariazell war ein Lehrer bei einem Schulskikurs von der Piste geraten und in den Schneemassen umgekommen: „Im Namen von uns allen möchte ich tiefe Anteilnahme zum Ausdruck bringen. In der Ramsau haben wir die Gefährlichkeit der Einsätze selbst erlebt: Kurz vor der Einsatzbesprechung stürzte ein Feuerwehrkamerad im Gebäude durch eine Glaskuppel sechs Meter tief und wurde schwer verletzt. Es ist der hohen Professionalität der Einsatzkräfte zu danken, dass es so wenig Unfälle gegeben hat“, sagte Schickhofer.

Rund 15 Lawinen waren nicht künstlich ausgelöst worden, sondern von selbst abgegangen, wobei es sich hier nur um die größeren handelte, wie jene in der Ramsau, die den Ortsrand erreichte. Es gab bis zu 50 Straßensperren, bis zu 2.500 Personen auf einmal seien abgeschnitten oder schwer erreichbar gewesen. 157 Bewohner wurden aus Ortschaften herausgebracht, dazu 685 Touristen, bilanzierte der Katastrophenschutzreferent. 40 Lawinenkommissionen hätten rund um die Uhr gearbeitet und seien teils mit Schneeschuhen und Tourenski im gefährlichen Gelände unterwegs gewesen - und unter widrigsten Windverhältnissen in Helikoptern: „Es beutelt dich anständig, wenn du bei einem solchem Wind im Hubschrauber bist. Da geht nicht alles über Technik, das ist höchste Kompetenz beim Fliegen“, sagte Schickhofer.

Rund 5.000 Feuerwehrleute aus allen Bezirken hätten geholfen. „Für die Standortfeuerwehren waren die vergangenen 14 Tage eine unmenschliche Belastung. In Bad Mitterndorf waren sie acht Tage ununterbrochen beim Schneeschaufeln, von der Bergrettung abgesichert. Dachabschaufeln klingt so locker, aber da gibt es eigene Kurse an der Feuerwehrschule Lebring“, berichtete Schickhofer. In abgeschnittenen Gebieten sei die Kapazität der medizinischen Kräfte vorübergehend erhöht worden, zum Teil mit Freiwilligen aus den südlichen Bereichen. Aus seiner Sicht sei dies ausreichend gewesen, sagte der Referent vor dem Hintergrund von Kritik der Landtagsopposition.

Schickhofer lobte neben Polizei, Bundesheer, Bezirkshauptmannschaften und Straßendiensten auch Unternehmer, Landwirte und Hoteliers: „Sie haben Personal, Gerät und Unterkünfte zur Verfügung gestellt, ohne etwas zu verlangen.“ Das nicht so betroffene Kärnten habe sofort Schneefräsen und Gerät in die Steiermark geschickt. „Ich bin überzeugt, all diese Helden werden auch künftig alles liegen und stehen lassen, um in den Einsatz zu gehen“, sagte der LHStv., der den Helfern künftig rechtlich Rückendeckung geben will. „Diese Einsätze müssen nachhaltig geregelt werden. Wir müssen ein Regelwerk schaffen, damit sie nicht mehrere Tage Urlaub nehmen müssen, bzw. sollte für die Kosten der Arbeitgeber aufkommen. Wir hatten rund 50.000 freiwillige Einsatzstunden. Bei 30 Euro pro Stunde sprechen wir da von rund 1,5 Millionen Euro, da sollten wir eine sachliche Lösung finden.“ Neben einer umfassenden Analyse des Einsatzes werde es auch eine Konferenz der Katastrophenschutzreferenten der Länder geben.




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