Letztes Update am Fr, 18.01.2019 12:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hard Brexit sorgt österreichische Agrarier und Lebensmittelexporteure



Berlin/Wien/London (APA) - Vor allem ein möglicher ungeregelter „hard Brexit“ macht österreichischen Landwirtschaftsvertretern und Lebensmittelexporteuren gleichermaßen Sorgen. Es werden größere Verwerfungen befürchtet, als es wegen der Russlandsanktionen der Fall war. EU-Agrarkommissar Phil Hogan will in den kommenden Tagen Vorschläge für außergewöhnliche Maßnahmen bei einem hard Brexit verkünden.

Der (hard) Brexit ist auf der weltgrößten Agrarmesse, der Grünen Woche in Berlin, derzeit ein beherrschendes Thema. Zwar betonen alle Agrar- und Nahrungsmittelhandelskenner, dass es derzeit noch nicht abschätzbar sei, was tatsächlich rund um Großbritanniens EU-Austritt herauskommt. Das sorgt aber zum Teil für noch größeres Kopfweh.

„Meine dringende Bitte an die EU-Kommission ist, dass sich Brüssel dem Thema mit höchstem Engagement und höchster Sensibilität widmet“, sagte der Präsident des ÖVP-Bauernbundes, Georg Strasser, im APA-Gespräch am Rande der Grünen Woche. „Ein hard Brexit könnte ein großes Problem bedeuten.“

Strasser ging auf zwei Beispiele näher ein, die Milchwirtschaft und das Rindfleisch. Etwaige Zölle, die Großbritannien bei einem ungeregelten Austritt einführen könnte, seien nicht das größte Problem. „Vielmehr rechnen Experten damit, dass der Schaden durch eine Verwerfung der Milch- bzw. Rindfleischmengen höher sein könnte als beim Russland-Embargo.“ Fällt Großbritannien als Abnehmer aus, so drängen die Mengen verstärkt in den EU-Markt. „Irland hat beim Rindfleisch 900 Prozent Eigenversorgung“, erklärte der Bauernbundchef exemplarisch. Ein ähnliches Beispiel sind Milchmengen aus Irland. „Das trifft die europäische und österreichische Molkereiwirtschaft direkt“, sagte Strasser. „Die Folgen sind nicht abschätzbar, kommt es zu solchen Verwerfungen. Abfedernde Maßnahmen werden notwendig werden.“ Andere Agrarier nannten auch die Schweinefleischmengen aus Dänemark als ähnliches Problem.

Im vorigen Jahr sind die Agrar- und Nahrungsmittelexporte nach Großbritannien um deutliche 19,7 Prozent auf 220 Mio. Euro gestiegen. Als Grund nannte A-Geschäftsführer Michael Blass vor Journalisten Vorziehkäufe wegen des Brexits. Er erwartet vor allem bei einem hard Brexit, dass sich die europäischen Exporteure auf den verbleibenden Märkten noch härter begegnen werden als bisher. „Die Situation schreit nach geordneten Verhältnissen“, sagte Blass und hofft auf „eine gute Lösung“.

Etwaige Auswirkungen dürften größer werden als durch die Russlandsanktionen, meinte auch der AMA-Chef. Österreichische Erzeuger könnten nur mit einer noch größeren Spezialisierung, Herausarbeitung der Stärken wie der Qualität und der frische der Produkte antworten, so Blass, auch wenn der Druck höher werde, wenn andere auch nicht in UK absetzen könnten. Etwaige Auswirkungen zu quantifizieren sei unmöglich.




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