Letztes Update am Fr, 18.01.2019 12:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Computertomographie zusehends schneller, genauer und strahlungsärmer



Wien (APA) - Die neuesten Entwicklungen in der Computertomographie (CT) erlauben eine schnellere und genauere Diagnose. Zudem reduzieren neue Geräte und technologische Fortschritte die Strahlenbelastung für Patienten um bis zu 90 Prozent, war auf einer Pressekonferenz am Freitag in Wien zu erfahren. Bisher verantworteten CT‘s 75 Prozent der medizinisch verursachten Strahlenbelastung.

Um die Strahlenexposition zu senken, braucht es ein optimales Zusammenspiel von Mensch und Technik. „Die Aufgabe des Radiologie-Teams ist es, eine Computertomographie so zu organisieren, dass möglichst wenig Strahlenexposition entsteht, das erzeugte Bild aber trotzdem alle Fragen beantwortet, die für eine Diagnose notwendig sind“, erklärte Erich Sorantin von der klinischen Abteilung für Kinderradiologie der Medizinischen Universität Graz. Prinzipiell solle man sich laut Sorantin zuallererst fragen, ob eine radiologische Untersuchung überhaupt nötig sei. Manchmal fänden sich nämlich auch weniger strahlenintensive Untersuchungsmethoden, die zu einer ebenso guten Diagnose führen würden. Fällt die Entscheidung dennoch auf ein CT, dann sollte dieses technisch optimiert sein. Die Verwendung moderner, strahlenreduzierter Volumen-Computertomographen böte sich für den Radiologen an.

„Moderne Volumen-CT‘s verkürzen die Untersuchungsdauer“, erklärte Michael Kutschera, Experte bei Canon Medical Österreich. Im Falle eines Schlaganfalls, bei dem der Ausspruch „Time is brain“ gelte, dauere die Untersuchung mittels Volumen-CT nur noch 60 Sekunden. Bei einem potenziellen Herzinfarkt seien es gar nur 1,2 Sekunden Untersuchungsdauer. Diese Entwicklung freute auch den Kinderradiologen Sorantin: „Idealerweise sollte ein CT bei Kindern so schnell wie möglich durchgeführt werden. Damit kann auch der Bedarf an Beruhigungsmitteln reduziert werden.“ So könne er mittlerweile etwa einen Dreijährigen überzeugen, für ein Lungen-CT ruhig liegen zu bleiben. Einen weiteren Vorteil erkennt der Kinderradiologe darin, dass aufgrund modernen Geräte notwendige Medikamente wie Kontrastmittel reduziert werden könnten.

Die seit 2017 am Markt erhältlichen ultrahochauflösenden Computertomographen (UHR) schaffen es, Bilder in doppelt so hoher Auflösung wie bisherige Geräte zu erzeugen. Somit erschließen sich Radiologen Strukturen, die für sie bisher nicht unterscheidbar waren. Kombiniert mit künstlicher Intelligenz könnten sich bereits in naher Zukunft deutlich bessere Screeningmöglichkeiten ergeben. „Ein Lungenscreening zur Früherkennung von Lungenkrebs könnte bald Wirklichkeit sein“, erklärte Sorantin. Die geringe Strahlenbelastung würde die Untersuchung unter Umständen auch bei potenziell gesunden Personen rechtfertigen, meinte der Radiologe.

Auch künstliche Intelligenz findet bei der Computertomographie bereits Anwendung. Ein Abgleich der Aufnahmen des untersuchten Patienten mit Millionen auf einem Server gespeicherten Bildern kann die Qualität der Aufnahmen stark verbessern. Ein „störendes Rauschen“ könne so aus den Bildern herausgefiltert werden, erklärte Kutschera. Dadurch verkürzt sich die Nachbearbeitungszeit für Radiologen. Sorantin betonte jedoch, dass sich künstliche Intelligenz und Radiologen ergänzen, aber sicher nicht ersetzen würden.

Je nach finanzieller Ausstattung der Krankenhäuser würden laut Sorantin CT-Geräte in einem fünf bis zehn Jahresrhythmus ausgetauscht werden. Es wäre zwar wünschenswert, dass jedes Krankenhaus das neueste Gerät besäße, nur sei das finanziell schwierig und nicht zwangsweise nötig, erläuterte der Radiologe. „Jedes Krankenhaus soll das behandeln, wofür es gut ausgerüstet ist“, befand er. „Ein neues Topgerät kostet zwischen ein und einenhalb Millionen Euro“, sagte Andreas Pangratz, Geschäftsführer von Canon Medical Österreich und betonte, dass auch die Software älterer Geräte regelmäßig aktualisiert werden würde.




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