Letztes Update am Fr, 18.01.2019 14:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Experte: USA verabschiedet sich als Hüter der Weltordnung



Wien (APA) - Als derzeit „größte Herausforderung“ der Weltgemeinschaft bezeichnet der deutsche Politologe Herfried Münkler die „Verabschiedung der USA aus der Rolle des Hüters der Weltordnung“. Der „ungeordnete Rückzug“ Washingtons aus dieser Rolle bringe auch „erhöhte Spannungen und Kriegsgefahr“ mit sich, sagte er in einem Vortrag im Verteidigungsministerium in Wien.

Münkler, der beim Sicherheitspolitischen Jahresauftakt des Ministeriums sprach, sieht allerdings nicht, dass etwa China die Nachfolge in dieser Hüterrolle übernehmen könnte. „China wird keine globale, universelle Verantwortung übernehmen.“ Peking konzentriere sich eher auf Räume, die für ihn von ökonomischem Interesse seien.

Für die Zukunft wahrscheinlicher sei daher, dass sich ein „System der Einflusssphären herausbildet“, meinte der Professor an der Berliner Humboldt-Universität. Die Überlappungsbereiche dieser Sphären wären dann die klassischen Konfliktregionen: Münkler nannte etwa die Ukraine oder den Kaukasus als Beispiele. Deshalb ist seiner Ansicht nach der Vergleich der derzeitigen Entwicklungen mit dem Kalten Krieg irreführend, da damals die Einflusssphären genau definiert waren.

Münkler hält es angesichts dieser Situation auch für notwendig, dass die Europäer sicherheitspolitisch „autonome Fähigkeiten haben, bei denen sie nicht ständig bei den USA anklopfen müssen“.

Europa müsse zudem für seine eigene Sicherheit in seinen Peripheriegebieten wie etwa dem Nahen Osten, der Ukraine oder Nordafrika Russland an einer strategischen Kooperation für die Stabilisierung dieser Räume „interessieren“, riet der Experte. Ein Beispiel dafür, wie notwendig das sei, habe man etwa in Syrien gesehen, wo Russland „Profiteur“ der Situation geworden sei.

Wichtig sei für Europa außerdem die Sicherheit der Steuerungs- und Informationssysteme, also die Verteidigung gegen Cyberangriffe. In diesem Zusammenhang verwies Münkler auf Bedrohungen wie den Terrorismus oder Cyberattacken, die heute nicht mehr eindeutig als „Kriegshandlungen“ oder „Kriminalität“ einzuordnen seien. „Das bedeutet ein Ende der Ordnung der Binarität, also eines Entweder-Oder.“

An dem Sicherheitspolitischen Jahresauftakt des Verteidigungsministeriums nahmen neben Bundesminister Mario Kunasek (FPÖ) auch seine Amtskolleginnen aus Deutschland und der Schweiz, Ursula von der Leyen und Viola Amherd, teil. Von der Leyen plädierte ebenfalls für eine Stärkung der militärischen Zusammenarbeit innerhalb Europas und für eine „Armee der Europäer“.




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